Wie die Nachrichtenplattform Kısa Dalga berichtet, haben am Sonntag Hunderte Demonstranten in Ankara die türkische Regierung zu entschlossenem Handeln gegen Israel aufgerufen.
Die Kundgebung wurde von der Redaktion der islamistischen Zeitschrift Köklü Değişim organisiert. Hunderte versammelten sich vor der US-Botschaft und zogen weiter zum AKP-Sitz. Sie riefen Parolen und trugen Transparente mit Aufschriften wie: „Muslime, vereinigt euch und vernichtet Israel“, „Tausende Verurteilungen sind nutzlos — schickt Armeen“, „Türkische Soldaten nach Gaza“ sowie „Armeen zur al-Aqsa“.
Die Rufe richteten sich sowohl gegen Israel als auch gegen die türkische Regierung. Häufig wurden religiöse Parolen skandiert. Die Polizei verstärkte entlang der Demonstrationsroute die Sicherheitsmaßnahmen.
Bereits im Mai 2024 hatte die Türkei als Reaktion auf zunehmende innenpolitische Kritik an Israels Militäreinsätzen im Gazastreifen jeglichen direkten Handel mit Israel eingestellt.
Dennoch sieht sich die türkische Regierung mit Protesten und Vorwürfen konfrontiert, sie setze trotz scharfer antiisraelischer Rhetorik den Handel mit Israel fort. Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte Israel wiederholt „völkermörderisches Verhalten“ vorgeworfen und die Politik des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu mit der NS-Zeit verglichen.
Organisatoren fordern Abbruch aller Beziehungen
Mahmut Kar, Koordinator von Köklü Değişim Medya, forderte in einer Stellungnahme im Namen der Gruppe Präsident Erdoğan zu einem radikalen Kurswechsel auf. „Israel ist eine Terrororganisation“, sagte Kar. „Alle diplomatischen, militärischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu diesem Staat müssen unverzüglich abgebrochen werden. Die Normalisierung der Beziehungen zu einem Terrorstaat ist ein Verrat an Palästina.“
Kar forderte die Schließung aller israelischen diplomatischen Vertretungen in der Türkei sowie die Ausweisung israelischer Diplomaten. Zudem verlangte er die Schließung des Luftwaffenstützpunkts İncirlik sowie der Radarstation Kürecik, beide im Süden der Türkei gelegen.
Die Radarstation Kürecik ist ein zentrales Element im Raketenabwehrsystem der NATO. Der Luftwaffenstützpunkt İncirlik dient NATO und den Vereinigten Staaten für militärische Operationen im Nahen Osten.
Diese beiden Einrichtungen sind regelmäßig Zielscheibe pro-palästinensischer Proteste in der Türkei, da sie als Ausdruck militärischer Zusammenarbeit mit den USA und Israel betrachtet werden — und damit im Widerspruch zur regierungsamtlichen Rhetorik stünden.
Weitere Forderungen der Demonstranten umfassten ein vollständiges Handelsverbot mit Israel, den Entzug von Betriebslizenzen für Unternehmen mit Verbindungen zu Israel sowie den Entzug der türkischen Staatsangehörigkeit für Doppelstaatler, die sich angeblich an Angriffen auf Gaza beteiligten.
Gaza-Offensive als Auslöser neuer Protestwelle
Die Demonstration war Teil einer breiteren Mobilisierung in der türkischen Öffentlichkeit gegen Israels Vorgehen in Gaza, das von vielen Kritikern als Völkermord bezeichnet wird. Köklü Değişim und ihre Unterstützer betonten, man protestiere nicht nur gegen Israel, sondern auch gegen die eigene Regierung, die durch fortbestehende diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen mitschuldig sei. Im November 2024 hatte Erdoğan angekündigt, die diplomatischen Beziehungen zu Israel abzubrechen, da Israel seine Offensive in Gaza nicht beenden wolle.
Trotz der Auflagen durch die Behörden war die Beteiligung hoch, die Demonstration verlief friedlich unter starker Polizeipräsenz. Gleichzeitig stehen pro-palästinensische Aktivisten in der Türkei unter zunehmender Beobachtung. Zahlreiche Personen wurden festgenommen, weil sie Proteste gegen die fortbestehenden Handelsbeziehungen zur israelischen Regierung organisierten.
So wurden in der vergangenen Woche mindestens 16 Demonstranten in Istanbul festgenommen. Ihnen wurde vorgeworfen, Präsident Erdoğan beleidigt zu haben — im Anschluss an eine Protestaktion gegen die 17. Internationale Rüstungsmesse IDEF 2025. An der Messe nahmen Rüstungsunternehmen teil, die Waffen und Technologie an Israel liefern.
Israel hatte seine Militäroffensive im Gazastreifen als Reaktion auf einen Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 gestartet, bei dem 1.206 Menschen getötet und etwa 250 Personen als Geiseln genommen worden waren. Laut dem Gesundheitsministerium in Gaza hat das israelische Militär seit dem 7. Oktober mindestens 59.000 Palästinenser getötet und über 142.000 verletzt.
Ein am 5. Dezember veröffentlichter Bericht von Amnesty International kommt zu dem Schluss, dass Israels Vorgehen im Gazastreifen als Genozid zu werten sei.
Ankara protesters demand stronger Turkish action against Israel

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