Die Nettozuwanderung nach Deutschland ist im Jahr 2024 spürbar gesunken. Wie aus dem am Mittwoch im Kabinett vorgelegten Migrationsbericht der Bundesregierung hervorgeht, registrierten die Behörden insgesamt rund 1,694 Millionen Zuzüge. Laut dem Bericht der Nachrichtenagentur AFP entspricht das einem Rückgang um 12,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Demgegenüber verließen im selben Zeitraum 1,264 Millionen Menschen das Land. Die Abwanderung blieb damit nahezu auf dem Niveau von 2023. Der Wanderungssaldo – die Differenz zwischen Zu- und Fortzügen – belief sich folglich auf rund 430.000 Personen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang von mehr als einem Drittel.
Rückläufige Zuzüge aus nahezu allen Herkunftsländern
Der Bericht zeigt, dass 2024 aus fast allen bedeutenden Herkunftsländern weniger Menschen nach Deutschland kamen. Rückgänge verzeichneten die Behörden unter anderem bei Zuzügen aus der Ukraine, aus Rumänien, der Türkei, Polen und Syrien.
Trotz des Rückgangs blieb die Ukraine mit 221.570 Zuzügen und einem Anteil von 13,1 Prozent das wichtigste Herkunftsland. Auf Platz zwei folgte Rumänien mit 173.563 Zuzügen (10,2 Prozent), gefolgt von der Türkei mit 88.690 Personen (5,2 Prozent).
Bei der Abwanderung nahm Rumänien – wie bereits in den Vorjahren – erneut den ersten Platz ein. 178.290 Menschen zogen 2024 dorthin, was einem Anteil von 14,1 Prozent an der gesamten Abwanderung entspricht.
Rekord bei Einbürgerungen nach Gesetzesreform
Einen gegenläufigen Trend verzeichnete die Zahl der Einbürgerungen. Sie erreichte 2024 den höchsten Stand seit Beginn der Statistik im Jahr 2000. Nach Angaben des Migrationsberichts erhielten 292.020 Menschen die deutsche Staatsangehörigkeit – ein Plus von 91.925 Einbürgerungen oder 45,9 Prozent gegenüber 2023.
Der starke Anstieg steht im Zusammenhang mit der Reform des Staatsangehörigkeitsgesetzes unter der damaligen Ampel-Regierung. Unter anderem wurde die Mindestaufenthaltsdauer für eine Einbürgerung von acht auf fünf Jahre verkürzt.
Höchster Ausländeranteil seit 1990
Der Anteil ausländischer Staatsangehöriger an der Bevölkerung stieg auf rund 12,4 Millionen Menschen. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 14,8 Prozent und markiert den höchsten Wert seit 1990. Der Migrationsbericht weist allerdings darauf hin, dass es sich um aktualisierte Zahlen handelt, die auf Anpassungen durch den Zensus 2022 beruhen.
Deutlicher Rückgang bei Asylerstanträgen
Im Jahr 2024 stellten 229.751 Menschen einen Asyl-Erstantrag in Deutschland. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Rückgang um 30,2 Prozent. Die größten Antragstellergruppen kamen aus Syrien (76.765 Anträge oder 33,4 Prozent), Afghanistan (34.149 oder 14,9 Prozent) und der Türkei (29.177 oder 12,7 Prozent).
Deutschland weiterhin Spitzenreiter in der EU
Im europäischen Vergleich wurden 2024 die meisten Asylanträge in Deutschland (250.550) und Spanien (167.720) registriert. Gleichzeitig verzeichnete Deutschland mit einem Minus von 100.960 Anträgen (28,7 Prozent) den größten absoluten Rückgang, gefolgt von Österreich mit einem Rückgang um 57,2 Prozent. Syrien blieb – wie bereits seit 2013 – das wichtigste Herkunftsland von Asylsuchenden in der Europäischen Union.

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