Angriffe auf TurkStream-Infrastruktur könnten Gasversorgung der Türkei gefährden

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Angriffe auf Kompressorstationen im Süden Russlands, die Gas in die Pipelines TurkStream und Blue Stream einspeisen, könnten die Gasversorgung der Türkei und Teilen Europas beeinträchtigen. Darauf wies ein russischer Energieexperte nach Berichten russischer Medien hin.

Nach Angaben des russischen Energiekonzerns Gazprom wurden innerhalb von zwei Wochen insgesamt zwölf Angriffe auf Infrastruktur im Zusammenhang mit den beiden Exportleitungen registriert. Betroffen gewesen seien unter anderem die Kompressorstationen Russkaya, Beregovaya und Kazachya. Moskau macht die Ukraine für die Attacken verantwortlich.

Der Energieexperte Igor Yushkov vom Nationalen Energiesicherheitsfonds erklärte, dass Gas aus der Station Kazachya zunächst zur Station Russkaya geleitet werde. Von dort aus werde der notwendige Druck erzeugt, um Gas durch die TurkStream-Pipeline in den europäischen Teil der Türkei zu transportieren. Die Station Beregovaya wiederum bildet den Ausgangspunkt der Blue-Stream-Leitung, die vor allem den Osten der Türkei versorgt.

Sollten diese Anlagen außer Betrieb gesetzt werden, könnte dies weitreichende Folgen haben. „Wenn diese Stationen abgeschaltet werden, könnten nicht nur Europa, sondern auch die Türkei ohne Gas bleiben“, warnte Yushkov.

Gazprom erklärte jedoch, dass alle Angriffe abgewehrt worden seien und der Gasfluss durch die Pipelines weiterhin ununterbrochen verlaufe.

Die Warnung macht deutlich, wie stark die Türkei trotz Bemühungen um Diversifizierung weiterhin auf russisches Pipelinegas angewiesen ist. Zwar bezieht Ankara zusätzlich Erdgas aus Aserbaidschan und dem Iran und verfügt über eine beträchtliche Importkapazität für Flüssigerdgas (LNG). Diese Alternativen könnten einen vollständigen Versorgungsstopp zwar abfedern, würden ihn jedoch nicht vollständig ersetzen.

Gleichzeitig verfolgt die Türkei eine Strategie, ihre Energieversorgung langfristig breiter aufzustellen. Neben steigender eigener Gasförderung setzt das Land verstärkt auf zusätzliche LNG-Importe, um die Abhängigkeit von russischem und iranischem Gas schrittweise zu reduzieren.

Yushkov warnte zudem vor möglichen Auswirkungen auf den internationalen Gasmarkt. Eine größere Unterbrechung der Pipeline-Lieferungen könnte die Märkte weiter anspannen, die bereits durch Konflikte im Nahen Osten unter Druck stehen. In einem solchen Fall müssten sowohl die Türkei als auch europäische Abnehmer verstärkt auf Flüssigerdgas zurückgreifen.

Die im Januar 2020 in Betrieb genommene TurkStream-Pipeline gilt derzeit als letzte verbliebene Route für russisches Pipelinegas nach Europa über türkisches Territorium. Neben der Türkei erhalten auch Länder wie Serbien, Ungarn und die Slowakei weiterhin Gas über diese Leitung, was der Infrastruktur sowohl für die türkische Energieversorgung als auch für die verbleibenden russischen Gasexporte nach Europa große Bedeutung verleiht.

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