Das türkische Verteidigungsministerium hat bestätigt, dass ein aus Richtung Iran abgefeuerter ballistischer Flugkörper im türkischen Luftraum abgefangen wurde. Es handelt sich um den dritten Vorfall dieser Art seit Beginn der Militärkampagne der USA und Israels gegen den Iran Ende Februar.
In einer Erklärung teilte das Ministerium mit, dass das Geschoss nach dem Eindringen in den türkischen Luftraum durch Luft- und Raketenabwehrsysteme der NATO neutralisiert worden sei, die im östlichen Mittelmeer stationiert sind.
Wenige Stunden zuvor waren auf dem Luftwaffenstützpunkt İncirlik nahe der südtürkischen Stadt Adana Sirenen zu hören. Der Stützpunkt gilt als eine der wichtigsten NATO-Einrichtungen in der Region und beherbergt auch US-Soldaten. Medienberichten zufolge wurden auch in der südostanatolischen Provinz Batman Alarmsirenen ausgelöst.
Bereits am 4. März hatte die NATO einen ersten aus Richtung Iran gestarteten ballistischen Flugkörper abgefangen. Ein weiterer wurde zu Wochenbeginn zerstört. Einwohner in Adana berichteten, sie seien gegen 3:25 Uhr nachts von Sirenen geweckt worden. In sozialen Netzwerken veröffentlichten mehrere Personen Videos eines schnell fliegenden, brennenden Objekts am Himmel.
Auch in Batman ertönten gegen 4 Uhr morgens Warnsirenen. Berichten zufolge kam der Alarm von einem militärischen Drohnenstützpunkt in der Nähe des Flughafens der Stadt.
Nach dem Zwischenfall zu Wochenbeginn schlossen die Vereinigten Staaten ihr Konsulat in Adana vorübergehend und forderten US-Bürger auf, den Südosten der Türkei zu verlassen.
Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian wies in einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zurück, dass der Flugkörper aus dem Iran abgefeuert worden sei.
Seit Beginn der US-israelischen Militärkampagne gegen den Iran am 28. Februar reagiert Teheran mit Angriffen in mehreren Teilen des Nahen Ostens. Die Entwicklungen haben die Sicherheitslage in der Region deutlich verschärft.
Der Stützpunkt İncirlik wird seit Jahrzehnten von US-Streitkräften genutzt und beherbergt auch Militärpersonal aus Spanien und Polen. Zudem sind US-Soldaten auf dem Militärstandort Kürecik in der Provinz Malatya stationiert. Dort betreiben sie ein Frühwarnradarsystem, das Teil des NATO-Raketenabwehrschildes ist und Abschüsse von Raketen aus Richtung Iran erkennen kann.
Obwohl Ankara betont, dass die Radardaten aus Kürecik niemals zur Unterstützung Israels genutzt worden seien, sorgt der Standort seit Jahren für Spannungen zwischen der Türkei und dem Iran.
Angesichts der jüngsten Entwicklungen kündigte die Türkei zudem an, ein Patriot-Luftabwehrsystem in der Provinz Malatya zu stationieren. Die NATO hatte zuvor erklärt, ihre Verteidigungsbereitschaft gegen ballistische Raketen innerhalb des Bündnisses zu verstärken.

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