Deutsche Familie stirbt in Istanbul: Vierter Todesfall nach mutmaßlicher Vergiftung

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Ein tragischer Vergiftungsfall erschüttert derzeit sowohl die Türkei als auch die deutsche Öffentlichkeit. Eine aus Hamburg stammende vierköpfige Familie, die für einen Kurzurlaub nach Istanbul gereist war, ist an den Folgen eines mutmaßlichen Giftexposition verstorben. Am Montag erlag auch der Vater, Servet Böcek (35), seiner schweren Vergiftung. Zuvor waren bereits seine Ehefrau und die beiden kleinen Kinder ums Leben gekommen.

Die Familie war am 9. November in einem Hotel im Istanbuler Stadtteil Fatih untergebracht worden. Nur wenige Tage nach ihrer Ankunft fühlten sich alle Familienmitglieder plötzlich unwohl und wurden mit schweren Symptomen in ein Krankenhaus eingeliefert. Trotz schneller medizinischer Versorgung starben zuerst die beiden Kinder im Alter von sechs und drei Jahren. Kurz darauf folgte die Mutter. Der Vater, der zunächst auf der Intensivstation künstlich beatmet wurde, verstarb nun ebenfalls.

Mögliche Ursache: Vergiftung durch Schädlingsbekämpfung im Hotel

Die Behörden ermitteln weiter zu den Hintergründen des Vorfalls. Zunächst war von einer Lebensmittelvergiftung die Rede, nachdem die Familie kurz vor Krankheitsbeginn Speisen bei einem Straßenverkäufer und in einem Restaurant verzehrt hatte. Die Spur verlagerte sich jedoch, als bekannt wurde, dass zwei weitere Hotelgäste gesundheitliche Probleme entwickelt hatten. Zudem war im Hotel kurz vor dem Unglück ein Zimmer wegen eines Schädlingsbefalls behandelt worden.

Im Zentrum der Untersuchungen steht ein in der professionellen Schädlingsbekämpfung verwendetes Mittel, das bei unsachgemäßer Anwendung hochgiftige Gase freisetzen kann. Ermittler prüfen, ob die Substanz möglicherweise über Lüftungsschächte in das Zimmer der Familie gelangte. Hinweise auf eine fehlerhafte oder unzureichend gesicherte Anwendung haben den Verdacht weiter erhärtet.

Verbraucherschützer und Fachleute mahnen seit längerem zu strengeren Kontrollen beim Einsatz solcher Mittel. Unsachgemäß durchgeführte Schädlingsbekämpfungen könnten, so kritisieren sie, fatale Folgen haben – insbesondere in Gebäuden mit unzureichender Belüftung oder mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen.

Die türkischen Behörden haben umfassende Ermittlungen eingeleitet.  Klarheit über die Verantwortlichkeiten und den genauen Ablauf des Geschehens wird erst ein toxikologisches Gutachten bringen.

Zahl der Festnahmen steigt – Hotel versiegelt

Die Staatsanwaltschaft Istanbul hat ihre Ermittlungen ausgeweitet; die Zahl der Festnahmen stieg auf elf. Unter den Beschuldigten befinden sich laut türkischen Medien auch Mitarbeiter der Hotelrezeption sowie der Inhaber der Schädlingsbekämpfungsfirma. Das Hotel, in dem zuletzt weitere Verdachtsfälle aufgetreten waren, wurde nach polizeilicher Untersuchung von der Stadtverwaltung versiegelt.

Der Tod der gesamten Familie Böcek hat in beiden Ländern Betroffenheit ausgelöst. Die Umstände des Falls werfen zugleich grundsätzliche Fragen nach Sicherheitsstandards und behördlicher Kontrolle beim Einsatz gefährlicher Schädlingsbekämpfungsmittel auf – Fragen, die nun im Verlauf der Ermittlungen eine entscheidende Rolle spielen dürften.

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