Immer mehr Menschen über 60 suchen in der Türkei Arbeit

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In der Türkei ist die Zahl der arbeitssuchenden Menschen im Alter von 60 Jahren und älter in den ersten elf Monaten des Jahres 2025 deutlich gestiegen. Nach Angaben der Zeitung Nefes nahm sie gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 19 Prozent zu. Hintergrund sind laut Bericht die geringen Renten, mit denen viele ältere Menschen ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können.

Daten der staatlichen Arbeitsagentur İŞKUR zeigen, dass die Zahl der arbeitssuchenden Frauen in dieser Altersgruppe zwischen Januar und November um 17 Prozent zunahm, während sie bei Männern um 19,6 Prozent stieg.

Die Mindestrente in der Türkei liegt derzeit bei 16.881 Lira (rund 396 US-Dollar). Dieser Betrag gilt weithin als unzureichend, um die grundlegenden Lebenshaltungskosten zu decken. Eine turnusmäßige Rentenanpassung soll nach Veröffentlichung der Inflationsdaten für Dezember am 5. Januar festgelegt werden. Offiziellen Schätzungen zufolge könnte die Mindestrente auf 18.000 bis 19.000 Lira steigen.

Arbeitslosigkeit trotz Rentenalter

Ein Teil der Betroffenen kann zudem nicht in Rente gehen, obwohl das Rentenalter erreicht ist, da nicht genügend Sozialversicherungsbeiträge vorliegen. Laut İŞKUR beantragten zwischen Januar und Oktober 9.543 Menschen über 60 Jahre Arbeitslosengeld; 55,4 Prozent von ihnen erfüllten die Voraussetzungen.

Viele Ruheständler berichten, dass ihre Renten nicht mehr für grundlegende Ausgaben ausreichen. Mieten, Lebensmittel und Energiekosten machten einen Großteil der Einkünfte aus. Einige gaben an, sich gezwungen zu sehen, trotz hohen Alters wieder zu arbeiten oder informellen Tätigkeiten nachzugehen.

Kritik an Inflationsberechnung

Rentnerorganisationen und Betroffene kritisieren zudem, dass Rentenerhöhungen nicht die tatsächlichen Lebenshaltungskosten widerspiegeln, da sie an die offiziellen Inflationsdaten des türkischen Statistikamts TurkStat gekoppelt sind. Diese Berechnungen stehen seit Jahren in der Kritik.

TurkStat kündigte diese Woche an, die Methode zur Berechnung des Verbraucherpreisindex ab Januar 2026 an EU-Standards anzupassen. Dabei soll unter anderem die sogenannte fiktive Miete für selbstgenutzten Wohnraum aus dem Index gestrichen werden.

Kritiker befürchten, dass diese Änderung die offiziell gemessene Inflation weiter senken und die Lücke zwischen statistischen Werten und realen Lebenshaltungskosten vergrößern könnte. Da Renten an die Inflationsrate gekoppelt sind, könnten künftige Erhöhungen geringer ausfallen, was die finanzielle Lage vieler älterer Menschen weiter verschärfen würde.

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