Die Türkei und Australien haben ihre Rollen bei der Ausrichtung der kommenden Weltklimakonferenz COP31 abgestimmt. Wie die deutsche Delegation als Vorsitzende der Ländergruppe Westeuropäische und andere Staaten am Freitagabend (Ortszeit) in Belém mitteilte, wurde die Vereinbarung einstimmig angenommen. Dem Beschluss zufolge werden die zweiwöchigen Verhandlungen im kommenden Jahr zwar in Antalya stattfinden, die inhaltliche Leitung der Gespräche jedoch in australischer Verantwortung liegen, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.
Den Vorsitz der COP31 übernimmt damit ein Vertreter der Türkei, während Australien den Posten der stellvertretenden Präsidentschaft besetzt. Zudem wird Australien die Vorverhandlungen der sogenannten Pre-COP organisieren. Dafür soll einer der kleinen Pazifikstaaten als Veranstaltungsort ausgewählt werden, um deren besondere Verwundbarkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
„Wir freuen uns, im kommenden November die COP31 in der Türkei auszurichten“, erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Samstag beim G20-Gipfel in Johannesburg. Der gemeinsam mit Australien erreichte Kompromiss sei von großer Bedeutung, betonte er.
Damit ist der Plan einer „Pazifik-COP“, die Australien in Kooperation mit den Inselstaaten durchführen wollte, vom Tisch. Die Ausrichtung der Pre-COP sei jedoch „besser als nichts“, sagte Vanuatus Klimaminister Ralph Regenvanu in Belém.
Die nun gefundene Einigung bedarf lediglich der Bestätigung durch das Plenum der laufenden UN-Klimakonferenz in Belém (COP30). Mit der Zustimmung würde ein monatelanger Streit zwischen der Türkei und Australien über die künftige Gastgeberrolle beendet. Ohne Einigung wäre die nächste COP automatisch am Sitz des UN-Klimasekretariats in Bonn abgehalten worden.
Erstmals soll die Weltklimakonferenz nun in der Türkei stattfinden. Ankara hatte das Pariser Klimaabkommen von 2015 erst Ende 2021 ratifiziert. Fachleute stufen die türkische Klimapolitik als unzureichend ein. Zwar strebt das Land an, bis 2053 Klimaneutralität zu erreichen – und damit nur drei Jahre später als die EU –, doch bewertet das Klimaforschungsprojekt Climate Action Tracker den türkischen Fahrplan als deutlich ungenügend.
Die UN-Klimakonferenzen rotieren zwischen fünf regionalen Gruppen, die das Gastgeberland jeweils einstimmig bestimmen müssen. Zwar unterstützte eine Mehrheit der westeuropäischen und anderer westlicher Staaten die australische Bewerbung, doch blieb die Türkei bei ihrem Nein, sodass kein Konsens für Australien zustande kam.
Die afrikanischen Staaten hatten sich zuvor bereits darauf verständigt, dass die COP32 im Jahr 2027 in Äthiopien stattfinden soll.

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