Mord in Istanbul löst Proteste von Frauenrechtsgruppen aus

0

Die Polizei in İstanbul hat drei Tatverdächtige festgenommen, nachdem die enthauptete Leiche einer Frau, über Nacht in einem Müllcontainer entdeckt worden war. Türkische Medien berichteten am Sonntag über den Fall, der Proteste von Frauenrechtsgruppen auslöste.

Der in ein Laken gewickelte Körper war in einem Abfallbehälter im Stadtteil Şişli auf der europäischen Seite der Metropole abgelegt worden. Entdeckt wurde die Leiche am Samstagabend von einem Papiersammler, der nach wiederverwertbaren Materialien suchte, wie die Demirören News Agency meldete.

Die Ermittler identifizierten das Opfer als eine 37 Jahre alte usbekische Staatsangehörige.

Zunächst konnten weder der Kopf noch die Beine der Frau aufgefunden werden. Bei der Auswertung von Überwachungskameraaufnahmen beobachteten die Ermittler zwei Männer, die an einem anderen Ort einen Koffer in einen Müllcontainer warfen. Über dessen Inhalt gab es zunächst keine Angaben.

Wenige Stunden später nahm die Polizei zwei Tatverdächtige, ebenfalls usbekische Staatsangehörige, am İstanbuler Flughafen fest, als diese versuchten, das Land zu verlassen. Ein dritter Verdächtiger wurde später verhaftet.

Frauenrechtsorganisationen riefen zu Demonstrationen in İstanbul und Ankara auf

In İstanbul versammelten sich nach Angaben nichtstaatlicher Organisationen mehr als tausend Menschen an der Metrostation Osmanbey im Stadtteil Şişli. Sie trugen Transparente mit Aufschriften wie „Stoppt männliche Gewalt“, „Wir fordern Gerechtigkeit für ermordete Frauen“ und „Migrantische Frauen sind nicht allein“. Die Demonstrierenden skandierten Parolen und zogen zu dem Ort, an dem die Leiche gefunden worden war.

In Ankara beteiligten sich mehrere hundert Menschen an einer Kundgebung der Organisation We Will Stop Femicides Platform, die eine konsequente Aufklärung der Tat forderte.

„Die Täter waren so sicher, dass ihnen nichts geschehen würde, dass sie den Körper der von ihnen getöteten Frau offen in einem Müllcontainer zurückließen“, erklärte Işıl Kurt, eine Vertreterin der Organisation. „Auch wenn Jahre vergehen und sich Städte und Namen ändern, bleibt die Gewalt gegen Frauen dieselbe.“

Die Türkei veröffentlicht keine landesweiten amtlichen Statistiken zu Tötungsdelikten an Frauen. Frauenrechtsorganisationen erfassen die Fälle daher auf Grundlage von Medienberichten. Nach Angaben der Plattform wurden im Jahr 2025 insgesamt 294 Frauen von Männern getötet, weitere 297 Frauen starben unter ungeklärten Umständen.

Der Bürgermeister des Stadtteils Şişli, Resul Emrah Şahan, der im Zuge einer von Kritikern als politisch motiviert bezeichneten Verhaftungswelle zeitgleich mit dem Istanbuler Oberbürgermeister Ekrem İmamoğlu inhaftiert wurde, sprach von einem „gravierenden gesellschaftlichen Problem“.

„Femizide entwickeln sich durch Straflosigkeit, Nachlässigkeit und Schweigen zu einem immer größeren Massaker“, schrieb Şahan auf X und rief zu koordiniertem Handeln gegen Gewalt an Frauen auf.

© Agence France-Presse

No comments