Am Mittwoch beginnt für mehr als vier Milliarden Menschen weltweit die Fastenzeit – und das in diesem Jahr für Christen und Muslime am selben Tag. Für Christinnen und Christen startet mit dem Aschermittwoch die 40-tägige Fastenzeit. Ebenfalls am Mittwochabend beginnt für Musliminnen und Muslime der Fastenmonat Ramadan.
Christliche Fastenzeit: Verzicht und Reflexion
Die christliche Fastenzeit dauert 40 Tage und endet am Karsamstag. In dieser Zeit verzichten viele Gläubige bewusst auf Dinge, die sie individuell festlegen – etwa Alkohol, Süßigkeiten oder digitale Medien. Ziel ist es, den eigenen Konsum und Lebensstil zu überdenken und sich auf das Wesentliche zu besinnen.
Am Aschermittwoch bekommen die Gläubigen ein Kreuz aus Asche auf die Stirn gezeichnet. Das Aschenkreuz erinnert die Menschen an ihre Vergänglichkeit und ruft zur Besinnung und Umkehr auf.
Dass Fasten auch unabhängig von religiösen Motiven an Bedeutung gewinnt, zeigt eine aktuelle Umfrage der DAK-Gesundheit. Mehr als zwei Drittel der Menschen in Deutschland halten Fasten aus gesundheitlicher Sicht für sinnvoll. Besonders bei jungen Menschen wird der bewusste Verzicht immer beliebter: 2024 hielten 76 Prozent der unter 30-Jährigen Fasten für sinnvoll, 2025 waren es bereits 84 Prozent.
Insgesamt sehen 70 Prozent aller Befragten das Fasten als gesundheitlich sinnvoll an. Alkohol, Süßigkeiten und Fleisch stehen dabei ganz oben auf der Liste der Dinge, auf die verzichtet wird. Laut einer Forsa-Umfrage, die vom 3. bis 5. Februar rund 1000 Menschen ab 18 Jahren befragte, hat jede und jeder Zweite bereits mehrfach gefastet.
Ramadan: Eine der fünf Säulen des Islam
Im Islam ist das Fasten eine der fünf Säulen und damit eine religiöse Pflicht für Gläubige. Es findet im neunten Monat des Mondkalenders statt, dem Ramadan, und dauert 29 oder 30 Tage.
In dieser Zeit dürfen Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken. Ausgenommen sind Menschen, die gesundheitlich nicht dazu in der Lage sind, ebenso Alte, Schwangere oder Kinder.
Doch der Ramadan bedeutet mehr als den Verzicht auf Essen und Trinken. Er ist eine Zeit der Besinnung, des Gebets und des Miteinanders. Gläubige sollen schlechte Gewohnheiten ablegen und sich ihrem Glauben und ihrer Spiritualität widmen. Das tägliche Fastenbrechen, das „Iftar“, wird gemeinsam mit Familie, Freunden und Gästen begangen. Am Ende des Monats steht das Ramadanfest „Eid al-Fitr“, bei dem gemeinsam gefeiert und Geschenke ausgetauscht werden.
Wer den Ramadan miterleben möchte, hat in vielen Städten und Bundesländern die Möglichkeit dazu. So ermöglicht die Aktion „Sharing Ramadan“ einen interkulturellen Austausch. Nicht-muslimische Menschen können sich anmelden und werden in eine muslimische Familie eingeladen, um das Fastenbrechen in familiärer Atmosphäre mitzuerleben und ins Gespräch zu kommen.
In Städten wie Frankfurt und Köln gibt es außerdem dieses Jahr zum dritten Mal eine Straßenbeleuchtung wie zur Weihnachtszeit. Viele sehen darin einen schöne Geste um den interreligiösen Dialog zu bestärken und große Teile der Gesellschaft anzuerkennen. In Frankfurt leben rund 130.000 Muslime und in Köln etwa 120.000.
Gemeinsame Werte trotz unterschiedlicher Praxis
Auch wenn sich die konkrete Ausführung unterscheidet, verfolgen beide Religionen ein ähnliches Ziel: Es geht darum, sich Gott zu nähern, sich intensiver dem Gebet zu widmen und sich auf das Wesentliche im Leben zu besinnen.

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