Die militärische Eskalation zwischen Israel und dem Iran verschärft sich weiterhin. Beide Seiten meldeten umfangreiche Angriffswellen, während sich der Konflikt zunehmend auf die gesamte Golfregion ausdehnt. Gleichzeitig geraten wichtige Handelsrouten unter Druck – mit spürbaren wirtschaftlichen Folgen auch für Europa. Angesichts stark gestiegener Öl- und Spritpreise hat die Bundesregierung in Abstimmung mit der Internationalen Energie-Agentur (IEA) einen Teil der deutschen Ölreserven freigegeben, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.
Neue Angriffswelle Israels
Die israelische Armee erklärte am Mittwoch, sie habe eine neue „groß angelegte Angriffswelle“ im gesamten Iran gestartet. Parallel dazu griffen die israelischen Streitkräfte erneut Stellungen der pro-iranischen Hisbollah-Miliz in den südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut an.
Zuvor hatte Israel die Bewohner der betroffenen Gebiete zur Evakuierung aufgefordert. Aufnahmen der Nachrichtenagentur AFP zeigten anschließend dichten schwarzen Rauch über den getroffenen Stadtteilen. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden bei einem israelischen Luftangriff im Osten des Landes sieben Menschen getötet.
Iran spricht von „intensivster“ Angriffswelle
Auch der Iran meldete eine deutliche Ausweitung seiner militärischen Aktivitäten. Die Revolutionsgarden bezeichneten die jüngste Angriffswelle auf Ziele in Israel und in der Golfregion als die bislang „intensivste und schwerste“, wie der staatliche Sender Irib berichtete.
Nach Angaben iranischer Staatsmedien griffen die Streitkräfte Ziele in Tel Aviv, Jerusalem und der nordisraelischen Stadt Haifa an. Darüber hinaus seien „zahlreiche US-Ziele in Erbil“ im Nordirak attackiert worden. Auch ein US-Flottenstützpunkt in Bahrain sowie der US-Armeestützpunkt Arifdschan südlich von Kuwait-Stadt seien ins Visier genommen worden.
Raketen und Drohnen über der Golfregion
Mehrere Staaten der Golfregion meldeten Raketen- und Drohnenangriffe. Saudi-Arabien erklärte, seine Luftabwehr habe sieben ballistische Raketen abgefangen. Sechs davon hätten den Luftwaffenstützpunkt Prinz Sultan in der Provinz al-Chardsch zum Ziel gehabt. Zusätzlich seien sieben Drohnen abgefangen worden, die auf das Ölfeld Schaybah im Südosten des Landes zuflogen. Acht weitere Drohnen seien im Osten des Landes abgefangen worden.
Auch Kuwait berichtete, insgesamt acht Drohnen abgefangen zu haben. Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten ebenfalls neue Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Iran. In der Nähe des Flughafens von Dubai stürzten zwei Drohnen ab; nach Behördenangaben wurden dabei vier Menschen verletzt.
In der katarischen Hauptstadt Doha waren nach Angaben von AFP-Journalisten mehrere laute Explosionen zu hören.
Drohungen gegen wirtschaftliche Ziele
Die iranische Armee kündigte zugleich verstärkte Angriffe auf wirtschaftliche Einrichtungen der Vereinigten Staaten und Israels in der Golfregion an, darunter auch Banken. Diese Ankündigung erfolgte nach Berichten, wonach in der Nacht zuvor eine Bank in Teheran bei einem Luftangriff getroffen worden sein soll, bei dem mehrere Angestellte ums Leben gekommen seien.
Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus
Parallel zur militärischen Eskalation an Land verschärft sich die Lage auf See. In den Gewässern der Golfregion wurden erneut mehrere Schiffe angegriffen, darunter auch in der für den weltweiten Öl- und Gastransport zentralen Straße von Hormus.
Nach Angaben der britischen Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) wurden drei Frachtschiffe von „unbekannten Geschossen“ getroffen. Ein Frachter geriet nach einem Treffer in der Straße von Hormus in Brand; laut Angaben der thailändischen Marine handelt es sich um ein thailändisches Schiff.
Die US-Armee hatte bereits am Vortag mehrere iranische Minenleger-Schiffe in der Region zerstört. US-Präsident Donald Trump erklärte, entsprechende Schiffe seien von amerikanischen Streitkräften ausgeschaltet worden. Das zuständige US-Militärkommando Centcom bestätigte im Onlinedienst X die Zerstörung solcher Einheiten in der Nähe der Straße von Hormus. Trump hatte den Iran zuvor davor gewarnt, die Meerenge zu verminen.
Seit Beginn des Krieges am 28. Februar ist die Straße von Hormus faktisch gesperrt. Rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft normalerweise durch diese Meerenge zwischen der Arabischen Halbinsel und dem Iran, die derzeit vom iranischen Militär kontrolliert wird.
Bundesregierung gibt Ölreserven frei
Die Folgen des Konflikts zeigen sich auch auf den Energiemärkten. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte in Berlin, die Freigabe eines Teils der deutschen Ölreserven solle die steigenden Spritpreise dämpfen. Sie rechne deshalb mit sinkenden Preisen für Benzin und Diesel in Deutschland. Zudem dürften Tankstellen ihre Preise künftig nur noch einmal täglich erhöhen.
Die Freigabe erfolgt in Koordination mit der Internationalen Energie-Agentur. Die Organisation verpflichtet ihre Mitgliedstaaten, Ölreserven in Höhe von mindestens 90 Tagen ihrer Nettoimporte vorzuhalten. Die IEA hatte angesichts der angespannten Lage vorgeschlagen, einen Teil dieser Bestände freizugeben.
Die Energieminister der sieben führenden Industriestaaten (G7) erklärten am Mittwoch, sie seien dazu bereit. Wirtschaftsministerin Reiche sprach von einem außergewöhnlichen Schritt: Es handle sich um „die größte Freigabe in der Geschichte der IEA“.

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