Eine wie von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angestrebte Rückkehr von 80 Prozent der Syrer in ihre Heimat hätte nach Einschätzung der führenden Wirtschaftsinstitute erhebliche Folgen für die deutsche Wirtschaft. “Wenn wir in diesem Umfang Menschen zurückführen würden, würde das dem Produktionspotenzial einen weiteren Dämpfer verpassen”, sagte der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser, am Mittwoch in Berlin.
Die Zuwanderung der letzten Jahre habe zu einer Verschiebung der demografischen Wende beigetragen, sagte Wollmershäuser anlässlich der Vorstellung der Konjunkturprognose der führenden Wirtschaftsinstitute. Dies betreffe sowohl die Menschen aus der Ukraine als auch die Syrer. Ein Großteil von ihnen seien in den Arbeitsmarkt integriert, “und insofern hätte das Potenzialeffekte”, sagte der Forscher.
Kanzler Merz hatte am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa gesagt, es sei “auch der Wunsch” des syrischen Präsidenten, dass in den nächsten drei Jahren 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer zurückkehren sollten. Derzeit halten sich nach Angaben aus dem Ausländerzentralregister gut 930.000 syrische Staatsangehörige in Deutschland auf. Würden 80 Prozent von ihnen zurückkehren, wären dies rechnerisch 740.000.
Geraldine Dany-Knedlik vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagte, die “politische Ankündigung” und “die ökonomische Realität” würden sich “wahrscheinlich deutlich voneinander unterscheiden”, da eine vollständige Rückkehr von 80 Prozent der Syrer wohl unrealistisch sei. Sollte aber auch “nur ein erheblicher Teil des Ziels tatsächlich realisiert werden”, dann “würde das den demografischen Druck auf unser Potenzialwachstum verschärfen”, sagte Dany-Knedlik.
Mittelfristig rechnen die Institute in ihrem Gutachten damit, dass das Wachstum des Produktionspotenzials in Deutschland von derzeit 0,2 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts vollständig zum Erliegen kommt. Neben dem demografiebedingten Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter trägt dazu nach Einschätzung der Ökonomen die sinkende Arbeitszeit je Erwerbstätigen bei.
© Agence France-Presse

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