In zwei Wochen eine halbe Million Migranten abgeschoben – Afghanistan unvorbereitet auf Rückkehrwelle

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Innerhalb von nur zwei Wochen hat der Iran über 500.000 Afghan:innen abgeschoben – der größte Massenrückführung dieser Größenordnung seit Jahren. Nach UN-Schätzungen könnten bis Jahresende bis zu drei Millionen Menschen nach Afghanistan zurückkehren. Die Vereinten Nationen warnen jedoch, dass Afghanistan auf diesen plötzlichen Zustrom „völlig unvorbereitet“ sei.

Der Hintergrund: Nach einem kurzen militärischen Schlagabtausch zwischen Israel und Iran im Juni, bei dem iranische Nuklearanlagen angegriffen und als Vergeltung Drohnenangriffe auf Israel geflogen wurden, verbreiteten iranische Staatsmedien unbewiesene Gerüchte, dass afghanische Geflüchtete für israelische Geheimdienste spioniert hätten. Diese Vorwürfe dienten als Vorwand für eine ohnehin geplante Abschiebungswelle, die sich gegen die Millionen Afghan:innen richtet, die oft ohne Dokumente und unter schwierigen Bedingungen in Iran gelebt und gearbeitet haben.

Die Lage an der Grenze ist dramatisch: In der drückenden Hitze von bis zu 40 Grad drängen sich Tausende Afghan:innen an provisorischen Aufnahmelagern. Laut UN-Angaben überquerten allein in einer Woche mehr als 400 unbegleitete Minderjährige die Grenze. Viele der Betroffenen leben seit Jahren, manche ihr ganzes Leben, in Iran und haben nun kaum Perspektiven in ihrer Heimat, die weiterhin von Gewalt und Armut geprägt ist.

Irans Regierung begründet die Abschiebungen mit Sicherheitsbedenken. Regierungssprecherin Fatemeh Mohajerani erklärte: „Wir waren stets gute Gastgeber, aber unsere nationale Sicherheit hat Priorität.“ Staatliche Medien veröffentlichten Videos, in denen ein angeblicher afghanischer „Spion“ zugibt, für 2.000 Dollar Informationen weitergegeben zu haben. Weder Identität noch Beweise für diese Aussagen wurden jedoch offengelegt.

Pakistan hat sich der repressiven Linie angeschlossen: Mehr als 1,6 Millionen Afghan:innen sind in diesem Jahr bereits aus Iran und Pakistan abgeschoben worden.

Für Frauen und Mädchen in Afghanistan ist die Situation besonders bedrohlich: In einem Land, in dem Bildung für Frauen verboten ist und das von Diskriminierung geprägt ist, droht ihnen massive Entrechtung. Menschenrechtsorganisationen weisen darauf hin, dass diese Rückführungen keine „Rückkehr in die Heimat“, sondern für viele eine Rückkehr in Not, Gewalt und Entrechtung bedeuten.

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