Temu gründet Tochtergesellschaft in der Türkei, um Zollhürden bei Auslandsbestellungen zu umgehen

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Die chinesische E-Commerce-Plattform Temu hat Medienberichten zufolge unter dem Namen WhaleCo eine lokale Tochtergesellschaft in der Türkei registriert. Ziel des Schrittes sei es, sich an neue Zollvorschriften anzupassen, die zuletzt Lieferungen aus dem Ausland erheblich erschwert hatten.

Das in Istanbul ansässige Unternehmen fungiert demnach als Importeur für über die Plattform bestellte Waren. Die Zollabwicklung erfolgt somit über WhaleCo statt über einzelne Käufer. Dadurch könnten persönliche Importlimits umgangen und Verzögerungen bei der Abfertigung reduziert werden, nachdem die Türkei ihr vereinfachtes Verfahren für niedrigpreisige Onlinebestellungen aus dem Ausland abgeschafft hat.

Kunden zahlen die anfallenden Steuern bereits beim Kauf. Zudem soll die Plattform einen Mindestbestellwert von 580 Türkischen Lira (etwa 13 US-Dollar) eingeführt haben. Die Produktauswahl ist derzeit noch begrenzt, soll jedoch schrittweise erweitert werden, berichtet das Nachrichtenportal Ekonomim. Eine offizielle Stellungnahme von Temu zu den Berichten liegt bislang nicht vor.

Der Schritt folgt auf regulatorische Maßnahmen, die Temus Geschäft in der Türkei beeinträchtigten. Ein am 7. Januar im Amtsblatt veröffentlichter Präsidialbeschluss hob eine Regelung zur vereinfachten Zollbehandlung bestimmter nichtkommerzieller Sendungen auf. Seit Anfang Februar müssen Einkäufe bei ausländischen Onlinehändlern das reguläre Zollverfahren durchlaufen.

Kurz vor Inkrafttreten der Vorschrift hatte Temu Bestellungen aus dem Ausland für Nutzer in der Türkei ausgesetzt und den Verkauf auf Waren aus lokalen Lagern beschränkt.

Temu gehört zu PDD Holdings, einem chinesischen E-Commerce-Konzern, der auch die Plattform Pinduoduo betreibt.

Wirtschaftsverbände in der Türkei kritisieren seit Langem, dass Zollbefreiungen faktisch kommerzielle Importe unter dem Deckmantel privater Einkäufe begünstigt hätten. Der Vorsitzende der Istanbuler Handelskammer, Şekib Avdagiç, erklärte bereits im Oktober, China wolle den Anteil direkter Verkäufe an Verbraucher in den kommenden 15 bis 20 Jahren auf 35 bis 40 Prozent seiner Gesamtexporte steigern – eine wachsende Herausforderung für Länder wie die Türkei.

Das Handelsministerium teilte zudem mit, dass Laboruntersuchungen von Produkten aus grenzüberschreitenden Onlineplattformen ergeben hätten, dass 81 Prozent der 182 geprüften Artikel nicht den Sicherheitsstandards entsprachen. In einigen Produkten seien unter anderem Phthalate und Schwermetalle nachgewiesen worden.

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