Israel bricht Waffenruhe und greift Gazastreifen an

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Israel hat die Waffenruhe gebrochen und den Gazastreifen bombardiert. Nach ersten Berichten kamen dabei zahlreiche Menschen ums Leben. Viele Personen sollen unter den Trümmern der durch israelische Luftangriffe zerstörten Häuser begraben sein. Die zuvor zwischen Israel und den Palästinensern vereinbarte Waffenruhe wurde von israelischer Seite aufgekündigt. Die israelische Armee griff in der Nacht ununterbrochen Ziele im Gazastreifen an.

Wie Augenzeugen gegenüber Al Jazeera berichteten, erfolgten die Angriffe in einer Phase, in der das gesamte Gesundheitswesen des Gazastreifens bereits zusammengebrochen war. Unter den Toten befänden sich auch zahlreiche Kinder und ältere Menschen.

Israelische Regierungsquellen erklärten, dass die Offensive eingeleitet wurde, nachdem die Hamas sich geweigert habe, israelische Geiseln freizulassen. Premierminister Benjamin Netanjahu habe daraufhin den Befehl zu den Angriffen erteilt. Ein israelischer Beamter sagte gegenüber der Agence France Presse, dass die Angriffe auf die Führungsebene und Infrastruktur der Hamas abzielten und „so lange andauern würden, wie es erforderlich sei“.

Hamas: Schutzlose Zivilisten werden gezielt angegriffen

Die islamistische Hamas erklärte, dass Ministerpräsident Netanjahu und seine Regierung den Krieg gegen wehrlose Zivilisten im Gazastreifen erneut eskalierten. In einer schriftlichen Stellungnahme betonte die Organisation, dass Israel die am 19. Januar in Kraft getretene Waffenruhe einseitig gebrochen und den Krieg gegen Gaza wieder aufgenommen habe.

Hamas forderte die Umsetzung der UN-Sicherheitsratsresolution 2735, die einen Fortbestand der Waffenruhe und den Rückzug israelischer Truppen aus dem Gazastreifen vorsieht. Das palästinensische Innenministerium erklärte unterdessen, dass es die Auswirkungen der israelischen Angriffe auf weite Teile des Gazastreifens genau beobachte.

Proteste gegen Netanjahu in Jerusalem

Währenddessen wächst in Israel der Widerstand gegen Premierminister Netanjahu. In Jerusalem demonstrierten mehrere tausend Menschen gegen seine Politik – die größte Protestkundgebung in der Stadt seit Monaten. Die Demonstranten werfen Netanjahu vor, einen undemokratischen Kurs zu verfolgen und den Krieg im Gazastreifen fortzusetzen, ohne Rücksicht auf die dort noch festgehaltenen israelischen Geiseln.

Zu der Demonstration hatten Oppositionsgruppen aufgerufen, die Netanjahus Entscheidung kritisieren, den Inlandsgeheimdienstchef Ronen Bar zu entlassen. Nach der Wiederaufnahme der intensiven israelischen Militäroffensive im Gazastreifen schlossen sich auch Angehörige der Geiseln den Protesten an.

„Wir hoffen, dass ganz Israel sich uns anschließt, bis die Demokratie wiederhergestellt und die Geiseln befreit sind“, sagte der 68-jährige Zeev Berar aus Tel Aviv der AFP. Die Menge skandierte Parolen gegen Netanjahu, einige hielten Transparente mit Aufschriften wie „Wir sind alle Geiseln“ oder forderten die USA auf, „Israel vor Netanjahu zu retten“.

Kritiker werfen dem Regierungschef vor, mit den erneuten Angriffen im Gazastreifen die verbliebenen Geiseln in Gefahr zu bringen. Von den ursprünglich 251 israelischen Geiseln, die am 7. Oktober 2023 von der Hamas entführt wurden, befinden sich noch 58 in Gaza – nach Angaben der israelischen Armee sind 34 von ihnen bereits tot.

Zudem sehen viele Demonstranten in der Kriegspolitik einen Versuch Netanjahus, Kritiker mundtot zu machen und seine Macht weiter auszubauen. So hatte er kürzlich nicht nur die Entlassung des Geheimdienstchefs angekündigt, sondern auch Schritte eingeleitet, um die Generalstaatsanwältin des Landes abzusetzen, die seine Politik hinterfragt hatte.

Wann begann die Waffenruhe?

Die letzte Waffenruhe zwischen Israel und den palästinensischen Gruppen trat am 19. Januar 2025 in Kraft.

Im Rahmen der Vereinbarung fanden Gefangenenaustausche statt. In einer ersten Phase wurden 33 israelische Geiseln, die sich in der Gewalt der Hamas befanden, gegen 735 palästinensische Gefangene aus israelischer Haft ausgetauscht.

Seit Januar 2025 gab es insgesamt fünf Gefangenenaustausche zwischen Israel und der Hamas. Im bislang letzten Austausch im Februar 2025 ließ die Hamas drei israelische Geiseln frei.

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