Türkische Behörden haben den schwedischen Journalisten Joakim Medin nach seiner Ankunft am 28. März am Flughafen Istanbul festgenommen. Medin reiste in die Türkei, um über die anhaltenden Proteste im Land zu berichten. Einen Tag später verhafteten die Behörden ihn offiziell und brachten ihn in das Silivri-Gefängnis am Stadtrand von Istanbul.
Laut seinem Anwalt erhält Medin ausreichend Nahrung, kann Sport treiben und durch die Gitterstäbe mit anderen Gefangenen sprechen. Obwohl er eine Zelle für sich allein hat, kann er einen Außenbereich nutzen und soll bald Bücher bekommen, berichtete die schwedische Zeitung Dagens ETC.
Medin wollte über die Proteste berichten, die nach der Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu am 19. März ausbrachen. İmamoğlu gilt als wichtigster politischer Gegner von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Die Polizei nahm bei den Protesten bereits mehr als 2.000 Menschen fest. Experten sehen darin die größte Protestwelle in der Türkei seit 2013.
Die türkischen Behörden werfen Medin vor, Präsident Erdoğan beleidigt und einer terroristischen Organisation angehört zu haben. Seine Ehefrau und sein Arbeitgeber weisen diese Anschuldigungen als „falsch“ und „absurd“ zurück.
Die Zeitung Dagens ETC veröffentlichte ein Foto einer handschriftlichen Nachricht, die Medin seinem Anwalt übergab. Darin schrieb er: „Journalismus ist kein Verbrechen, in keinem Land.“
Chefredakteur Andreas Gustavsson erklärte, dass die rechtlichen Schritte gegen Medin schnell voranschritten. „Es gibt noch vieles zu klären“, sagte er. „Aber ein juristisches Team arbeitet bereits an seinem Fall.“
Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson verfolgt den Fall genau, hat aber noch nicht mit Erdoğan gesprochen. Außenministerin Maria Malmer Stenergard kündigte an, das Thema beim kommenden NATO-Treffen mit ihrem türkischen Amtskollegen zu besprechen.
Swedish journalist held in Turkey not housed with other prisoners, employer says
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