Mehr als 340 Festnahmen nach Massenprotesten in der Türkei

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Nach den größten Straßenprotesten in der Türkei seit über einem Jahrzehnt sind mehr als 340 Menschen festgenommen worden. Die Demonstrationen waren durch die Inhaftierung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu ausgelöst worden, teilte Innenminister Ali Yerlikaya am Samstag mit.

Hunderttausende gingen am späten Freitagabend landesweit auf die Straßen. In den drei größten Städten des Landes – İstanbul, der Hauptstadt Ankara und der westtürkischen Küstenmetropole İzmir – kam es zu Zusammenstößen mit der Bereitschaftspolizei.

„Dreihundertdreiundvierzig Verdächtige wurden bei den Protesten in İstanbul, Ankara, İzmir, Adana, Antalya, Çanakkale, Eskişehir, Konya und Edirne festgenommen“, erklärte Yerlikaya. Er warnte, dass Personen, die „Chaos und Provokation“ säen wollten, „keinesfalls toleriert“ würden.

Es war die dritte Nacht in Folge, in der Menschen ihre Unterstützung für İmamoğlu zeigten – den wohl größten politischen Rivalen von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Seine Festnahme am Mittwoch hatte eine Welle des Widerstands ausgelöst, die sich von İstanbul auf mehr als 50 der 81 türkischen Provinzen ausbreitete.

In mehreren Städten kam es zu Auseinandersetzungen, als die Polizei Tränengas, Gummigeschosse und Wasserwerfer einsetzte, um die Proteste aufzulösen.

İmamoğlu verbrachte nun bereits seine dritte Nacht in Gewahrsam. Nach Angaben von Parteiquellen begann er am Samstagmorgen, im Rahmen einer Terrorismusuntersuchung bei der Polizei auszusagen.

Er werde voraussichtlich um 18:00 Uhr (GMT) vor der Staatsanwaltschaft im Justizpalast Çağlayan erscheinen, um sowohl zur Terrorismusuntersuchung als auch zu einer Korruptionsermittlung befragt zu werden, sagten die Quellen.

Der im vergangenen Jahr mit deutlicher Mehrheit wiedergewählte İmamoğlu ist bereits in mehrere Ermittlungen verwickelt. Ihm und sechs weiteren Personen wird vorgeworfen, die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) unterstützt zu haben, die von der Türkei und ihren westlichen Verbündeten als Terrororganisation eingestuft wird.

Zusätzlich wird gegen ihn wegen Bestechung, Erpressung, Korruption, schweren Betrugs sowie des illegalen Erwerbs persönlicher Daten zum finanziellen Vorteil ermittelt. Diese Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit einer mutmaßlichen kriminellen Organisation, in die insgesamt 99 Verdächtige verwickelt sein sollen.

More than 340 detained after mass protests in Turkey

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