Livaneli widmet in Deutschland das Lied „Ey Özgürlük“ an İmamoğlu

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Der türkische Musiker, Schriftsteller und Menschenrechtsaktivist Zülfü Livaneli trat in Mannheim auf und widmete sein Lied „Ey Özgürlük“ (Oh Freiheit) seinem „Freund“ Ekrem İmamoğlu, dem inhaftierten Bürgermeister von Istanbul. Livaneli prangerte die „Rechtswidrigkeiten“ an, denen der oppositionelle Politiker ausgesetzt sei.

Ein Abend voller Emotionen und Erinnerungen

Schon beim zweiten Lied wischten sich junge Besucherinnen im Publikum Tränen aus den Augen. Livanelis Musik weckte Erinnerungen an frühere Zeiten – an Jugend, Familie und Heimat. Viele der Anwesenden waren in den 1980er Jahren aus der Türkei nach Deutschland emigriert, andere sind in den letzten Jahren wegen politischer Repression oder wirtschaftlicher Not gekommen.

Ein Künstlerleben zwischen Exil und Heimat

Livaneli, einer der bekanntesten Künstler der Türkei, war selbst lange im Exil – zunächst in Stockholm, später in Paris und Athen. 1984 kehrte er in die Türkei zurück. Seine Lieder wie „Sevdalı Başım“, „Leylim Ley“, „Yiğidim Aslanım“ oder „Ey Özgürlük“ erzählen Geschichten von Widerstand, Sehnsucht und Hoffnung.

In Mannheim wurde er vom Staatsphilharmonie-Orchester unter der Leitung von Sebastián Camaño Saavedra begleitet. Sängerinnen und Sänger wie Zeynep Halvaşi, Teyfik Rodos und Özlem Bulut sorgten für besondere Momente. Trotz persönlicher Trauer trat Teyfik Rodos auf – das Publikum reagierte mit langem Applaus.

„Von nun an will ich mehr zuhören“

Livaneli zitierte den Dichter Nâzım Hikmet:

„Bisher habe ich immer Lieder gehört, von nun an will ich Lieder singen.“

Er ergänzte:

„Ich habe mein Leben lang gesungen – wenn meine Zeit reicht, möchte ich jetzt mehr zuhören.“

Mit seinen 80 Jahren sprach Livaneli über Vergänglichkeit, Frieden und die Verantwortung der Kunst.

Politische Botschaft und freundschaftliche Widmung

Einen Tag nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an María Corina Machado, die in Venezuela verfolgt wird, erinnerte Livaneli an politische Gefangene in der Türkei.

Er widmete „Ey Özgürlük“ seinem inhaftierten Freund Ekrem İmamoğlu und sagte:

„Freiheit ist kein Lied, das man nur singt – sie ist ein Zustand, den wir alle verdienen.“

Eine lebende Legende

Als UNESCO-Friedensbotschafter und Autor engagiert sich Livaneli weiterhin für Menschenrechte und den Dialog zwischen den Kulturen. Sein neuestes Buch „Bekle Beni“ erschien kürzlich bei Can Yayınları und wurde im Foyer der Konzerthalle verkauft.

Zum Schluss stand das Publikum auf und sang mit:

„Gün doğdu mu her gün ilk gün…“ – Jeder Tag, an dem die Sonne aufgeht, ist ein neuer Anfang.

 

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