Vorsitzender des Dersim-Kulturvereins bei Einreise in die Türkei festgehalten und abgeschoben

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Laut Deutscher Welle ist der Vorsitzende des Dersim Kultur- und Geschichtsvereins in Deutschland, Ahmet Canpolat, bei seiner Einreise in die Türkei festgehalten und anschließend abgeschoben worden.
Canpolat, der in Bochum lebt und sich seit Jahren wissenschaftlich mit der Geschichte Dersims befasst, wollte zur Beerdigung seines verstorbenen Vaters reisen. Laut DW wurde er am Flughafen Sabiha Gökçen in Istanbul während der Passkontrolle festgenommen, elf Stunden lang festgehalten und schließlich mit einem Flug nach Frankfurt zurückgeschickt.

Die türkischen Behörden gaben ihm demnach weder eine Begründung für das Einreiseverbot noch legten sie offizielle Dokumente vor. Canpolat bezeichnete die Behandlung als „menschenunwürdig“ und kritisierte, dass ihm nicht einmal erlaubt wurde, seiner Familie das Geld und die Unterlagen für die Beisetzung zu übergeben.
Der in Darmstadt lebende Vater, Hüseyin Canpolat, war 91 Jahre alt und stammte aus dem Dorf Akdik in der Provinz Tunceli (Dersim). Die Familie musste die Beerdigung ohne den Sohn durchführen.
Das von Canpolat geleitete Dersim Kultur- und Geschichts­zentrum arbeitet seit Jahren mit Universitäten in Deutschland an Projekten zur Aufarbeitung der Ereignisse von 1937/38. In einer Stellungnahme erklärte der Verein, es sei „offensichtlich“, dass Canpolats Einreiseverbot mit diesen wissenschaftlich-kulturellen Aktivitäten zusammenhänge. Man verurteile den Vorgang als „Versuch, kritische Geschichtsforschung, Erinnerungskultur und Meinungsfreiheit zu unterdrücken“.

Der Verein rief zudem die internationale Gemeinschaft und die deutsche Regierung dazu auf, „diese Form politischer Repression deutlich zu verurteilen und sich für die Wahrung grundlegender Rechte wie die Reisefreiheit einzusetzen.”

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