Nach dem tragischen Tod einer vierköpfigen Familie aus Deutschland in Istanbul durch ein Insektengift hat in der Türkei am Dienstag der Prozess begonnen. Sechs Angeklagte müssen sich vor Gericht verantworten, darunter zwei Vertreter einer Schädlingsbekämpfungsfirma. Angehörige der Familie Böcek verfolgten den Prozessbeginn in Istanbul.
Laut Obduktionsbericht war bei den Toten eine “starke Konzentration von Phosphingas” festgestellt worden. Dies deute darauf hin, dass die Familie Böcek gestorben sei, weil sie dem giftigen Insektizid ausgesetzt gewesen sei, nachdem es in ihrem Hotel einen Einsatz zur Schädlingsbekämpfung gegeben habe.
Für fünf der sechs Angeklagten fordert die Staatsanwaltschaft laut der Nachrichtenagentur Anadolu bis zu 22 Jahre und sechs Monate Haft, weil sie “durch grobe Fahrlässigkeit den Tod mehrerer Menschen” verursacht haben sollen. Dem sechsten Angeklagten drohen laut Anklageschrift bis zu 15 Jahre Gefängnis wegen einfacher “Fahrlässigkeit”.
Die in Deutschland lebende türkische Familie hatte im November in Istanbul Urlaub gemacht, als am 12. November die Eltern und ihre Kinder im Alter von drei und sechs Jahren erkrankten. Die Familie wurde ins Krankenhaus gebracht, doch wenige Tage nach den Kindern Kadir und Masal sowie der Mutter starb auch der Vater.
Die Ermittler vermuteten zunächst eine Lebensmittelvergiftung, weil die Familie an einem Imbiss im touristisch geprägten Stadtviertel Ortaköy direkt am Bosporus gegessen hatte. Dieser Verdacht wurde ausgeräumt, nachdem türkische Medien berichteten, dass das Hotel der Familie mit einem Bettwanzen-Befall zu kämpfen hatte. Das eingesetzte Insektizid gelangte mutmaßlich über einen Lüftungsschacht des Badezimmers in das Hotelzimmer der Familie.
© Agence France-Presse

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