Die Ehefrau des Istanbuler Oberbürgermeisters und Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Volkspartei (CHP), Ekrem İmamoğlu, hat die Ablehnung eines Antrags auf vorübergehende Aufhebung eines Ausreiseverbots für ihren Sohn scharf kritisiert. In einer über soziale Medien verbreiteten Stellungnahme erklärte Dilek Kaya İmamoğlu, die Entscheidung verhindere die Teilnahme ihres Sohnes an einer internationalen wissenschaftlichen Konferenz in Deutschland.
Selim İmamoğlu, der an der Technischen Universität Istanbul im Masterstudiengang Physikingenieurwesen eingeschrieben ist, war eingeladen worden, seine Forschungsarbeit bei einer Tagung an der Technischen Universität Dresden vorzustellen. Nach Angaben seiner Mutter wurde die Arbeit von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft zur Präsentation angenommen.
Um an der Konferenz teilnehmen zu können, habe Selim İmamoğlu die zeitweise Aufhebung eines gegen ihn bestehenden Ausreiseverbots beantragt. Dieser Antrag sei jedoch abgelehnt worden. Dilek Kaya İmamoğlu sprach von einer unverständlichen Entscheidung und warf den Verantwortlichen vor, politische Motive über die akademische Entwicklung eines jungen Wissenschaftlers zu stellen.
Es sei weder mit dem Gerechtigkeitssinn noch mit dem Gewissen vereinbar, einem jungen Menschen die Möglichkeit zu verwehren, seine wissenschaftliche Arbeit vorzustellen und sein Land auf internationaler Ebene zu repräsentieren, erklärte sie. Der Vorgang betreffe nicht nur ihre Familie, sondern sei ein Signal an all jene jungen Menschen, die sich durch Leistung eine Zukunft aufbauen wollten.
Die Kritik reiht sich ein in eine angespannte politische Atmosphäre, in der Maßnahmen gegen Oppositionspolitiker und deren Umfeld regelmäßig kontrovers diskutiert werden. Eine offizielle Begründung für die Ablehnung des Antrags wurde zunächst nicht bekannt.

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