Landtagswahl in Baden-Württemberg 2026: Ein politischer Wendepunkt

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Ebru Kaymak

Am 8. März 2026 wählen die Bürgerinnen und Bürger in Baden-Württemberg einen neuen Landtag. Die Wahl markiert einen historischen Einschnitt: Nach 15 Jahren endet die Amtszeit von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Der Grünen-Politiker, seit 2011 im Amt und bis heute der einzige grüne Ministerpräsident Deutschlands, tritt nicht erneut an. Damit beginnt für das Bundesland eine neue politische Ära.

Laut einem Politbarometer von ZDF zwei Tage vor der Wahl liegen Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) und Bündnis 90/Die Grünen gleichauf bei jeweils 28 Prozent. Dahinter folgt die Alternative für Deutschland (AfD) mit 18 Prozent.

Erstmals dürfen bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg auch 16- und 17-Jährige abstimmen. Insgesamt sind damit rund 7,7 Millionen Menschen wahlberechtigt.

Der grüne Kandidat: Cem Özdemir

Der Kandidat der Grünen für die Nachfolge Kretschmanns ist Cem Özdemir, einer der bekanntesten Politiker seiner Partei. Kretschmann selbst bezeichnete ihn bereits als „den richtigen Nachfolger“.

Özdemir wurde 1965 in Bad Urach als Sohn migrantischer Eltern geboren. Schon früh engagierte er sich politisch und trat 1981 der Grünen Jugend bei. Zwischen 1989 und 1994 gehörte er dem Landesvorstand der Partei an.

Beruflich begann Özdemir zunächst eine Ausbildung zum Erzieher. Seine politische Karriere nahm schnell Fahrt auf: 1994 zog er mit nur 28 Jahren erstmals in den Deutschen Bundestag ein.

Dort profilierte er sich vor allem in der Innenpolitik. Ab 1998 war er innenpolitischer Experte der Grünen-Bundestagsfraktion. Nach einer Affäre um privat genutzte Bonusmeilen und einen günstigen Kredit des PR-Beraters Moritz Hunzinger zog sich Özdemir 2002 vorübergehend aus der Bundespolitik zurück.

Sein politisches Comeback folgte jedoch schnell: 2004 wurde er ins Europäische Parlament gewählt. Dieses Amt hatte er bis 2009.

Seit 2013 sitzt Özdemir erneut im Bundestag, 2021 gewann er in Stuttgart erstmals ein Direktmandat. Bundesweit bekannt wurde er außerdem als Parteivorsitzender der Grünen, ein Amt, das er von 2008 bis 2018 innehatte, gemeinsam mit Claudia Roth und später Simone Peter.

Mit dieser langjährigen politischen Erfahrung wirbt Özdemir nun um das Amt des Ministerpräsidenten.

Der CDU-Herausforderer: Manuel Hagel

Sein wichtigster Konkurrent ist der CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel. Der 37-jährige steht für eine deutlich jüngere Generation in der Landespolitik.

Hagel absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und machte anschließend Karriere bei der Sparkasse. Schon früh engagierte er sich in der Politik und stieg innerhalb der CDU schnell auf.

Mit 28 Jahren wurde er 2016 Generalsekretär der Landes-CDU – der jüngste in der Geschichte des Landesverbands. Auch später stellte er Altersrekorde auf:

  • 2021 wurde er mit 33 Jahren Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag.
  • 2023 übernahm er den Landesvorsitz der CDU Baden-Württemberg.

Sollte die CDU die Wahl gewinnen und Hagel Ministerpräsident werden, wäre er der jüngste Regierungschef in der Geschichte Deutschlands.

In den vergangenen Wochen sorgte Hagel jedoch auch für Diskussionen. In sozialen Medien verbreitete sich ein älteres Video aus einem Fernsehinterview, in dem er von einer minderjährigen Schülerin schwärmte, die er bei einem Schultermin kennengelernt hatte. Rückblickend bezeichnete Hagel seine damaligen Aussagen selbst als „Mist“.

Ein offenes Rennen

Mit nahezu gleichen Umfragewerten für CDU und Grüne gilt die Landtagswahl als völlig offen. Sie entscheidet nicht nur über die politische Führung Baden-Württembergs, sondern auch darüber, wer die Nachfolge von Winfried Kretschmann antritt – einem der prägendsten Landespolitiker der vergangenen Jahrzehnte.

Ob der erfahrene Bundespolitiker Cem Özdemir oder der junge CDU-Herausforderer Manuel Hagel künftig im Staatsministerium in Stuttgart regieren wird, entscheiden die Wählerinnen und Wähler am 8. März 2026.

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