Ebru Kaymak
Deutschland steht im Gesundheitswesen vor einer großen personellen Herausforderung. Besonders in der Pflege wird der Bedarf an Fachkräften in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen. Gleichzeitig ist ein erheblicher Teil der Ärzteschaft bereits älter und wird in den kommenden Jahren das Rentenalter erreichen. Fachkräfte aus dem Ausland sind deshalb schon heute ein wichtiger Bestandteil des deutschen Gesundheitswesens. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zeigen, wie stark Deutschland auf ausländische Fachkräfte und die Anerkennung ihrer Berufsqualifikationen setzt.
Pflegebedarf steigt deutlich
Besonders deutlich wird der zukünftige Fachkräftebedarf in der Pflege. Nach einer Vorausberechnung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2024 wird der Bedarf an erwerbstätigen Pflegekräften von 1,62 Millionen im Jahr 2019 voraussichtlich um ein Drittel auf 2,15 Millionen im Jahr 2049 steigen.
Wie viele Pflegekräfte tatsächlich zur Verfügung stehen werden, hängt von der Entwicklung des Pflegearbeitsmarktes ab. Destatis hat dafür zwei Varianten berechnet.
In der sogenannten Trend-Variante werden neben der demografischen Entwicklung auch die positiven Entwicklungen am Pflegearbeitsmarkt aus den 2010er Jahren berücksichtigt. Danach würde die Zahl der erwerbstätigen Pflegekräfte bis 2034 auf 1,74 Millionen und bis 2049 auf 1,87 Millionen steigen. Trotzdem würden bereits 2034 rund 90 000 Pflegekräfte gegenüber dem erwarteten Bedarf fehlen. Bis 2049 könnte sich der Bedarf auf 280 000 Pflegekräfte vergrößern.
Noch größer wäre der Fachkräftemangel in der sogenannten Status-quo-Variante. Hier werden ausschließlich die Auswirkungen der demografischen Entwicklung berücksichtigt. Die Zahl der Pflegekräfte würde demnach von 1,62 Millionen im Jahr 2019 auf 1,48 Millionen im Jahr 2034 und auf 1,46 Millionen im Jahr 2049 sinken. Bereits 2034 könnten rechnerisch 350 000 Pflegekräfte fehlen. Bis 2049 könnte sich die Lücke auf 690 000 Pflegekräfte vergrößern.
Ein wichtiger Grund dafür ist, dass in den kommenden Jahren immer mehr Menschen aus der Babyboomer-Generation in Rente gehen.
Pflegefachkräfte sind besonders häufig aus dem Ausland
Vor diesem Hintergrund kommt der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen eine besondere Bedeutung zu. 2025 wurden in Deutschland insgesamt rund 86 600 Anerkennungsanträge für im Ausland erworbene Berufsabschlüsse genehmigt. Das waren knapp 10 % mehr als im Vorjahr. 2024 waren es 79 100 Anerkennungen.
Der am häufigsten anerkannte Beruf war 2025 erneut der Beruf der Pflegefachfrau beziehungsweise des Pflegefachmanns. Einschließlich der Vorgängerberufe Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/-in sowie Gesundheits- und Krankenpfleger/-in wurden 32 000 Anerkennungen erteilt.
Unverändert zu den Vorjahren lag der Beruf als Ärztin oder Arzt mit 13 900 Anerkennungen auf dem zweiten Platz. Damit war die Pflege mit deutlichem Abstand der Bereich mit den meisten Anerkennungen ausländischer Berufsabschlüsse.
Anerkennungen aus der Türkei, Ukraine und Syrien
Die meisten Anerkennungen stammten 2025 aus der Türkei. Insgesamt wurden 9 800 Anerkennungen von dort erworbenen Berufsqualifikationen gemeldet. Das entsprach 11 % aller Anerkennungen.
An zweiter Stelle lag die Ukraine mit rund 8 300 Anerkennungen beziehungsweise 10 %. Es folgten Syrien mit 6 100 sowie Indien und Tunesien mit jeweils 5 400 Anerkennungen.
Besonders stark nahm die Zahl der Anerkennungen von in Syrien erworbenen Berufsqualifikationen zu. Sie stieg gegenüber dem Vorjahr um 42 %.
Insgesamt wurden 2025 rund 102 900 Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsqualifikationen bearbeitet. Darunter waren 76 200 Neuanträge. Diese Zahl stieg gegenüber dem Vorjahr um 7 %.
Allerdings hat sich auch bei den Anerkennungsverfahren das Wachstum verlangsamt. 2024 waren die Neuanträge noch stärker gestiegen. Die Zahl der Anerkennungen hatte bereits 2023 um 25 % und 2024 um 21 % zugenommen.
Auch die Medizin ist auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen
Nicht nur in der Pflege, sondern auch bei den Ärztinnen und Ärzten nimmt die Bedeutung ausländischer Fachkräfte zu.
2024 hatten 64 000 Ärztinnen und Ärzte in der Human- und Zahnmedizin keine deutsche Staatsangehörigkeit. Das entsprach 13 % der Ärzteschaft. Zehn Jahre zuvor waren es noch 30 000 beziehungsweise 7 %.
Noch deutlicher zeigt sich die Bedeutung der Zuwanderung bei der Betrachtung der Einwanderungsgeschichte. 2024 arbeiteten in der Human- und Zahnmedizin insgesamt 121 000 aus dem Ausland zugewanderte Ärztinnen und Ärzte. Das entsprach knapp einem Viertel der gesamten Ärzteschaft.
Ein Teil dieser Ärztinnen und Ärzte besitzt inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit. Deshalb liegt die Zahl der zugewanderten Ärztinnen und Ärzte deutlich über der Zahl der Ärztinnen und Ärzte ohne deutsche Staatsangehörigkeit.
Von den 121 000 zugewanderten Ärztinnen und Ärzten waren 51 000 beziehungsweise 42 % weniger als zehn Jahre in Deutschland.
Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft zeigt die wachsende Bedeutung ausländischer Ärzte. Die Zahl der in Krankenhäusern angestellten Ärzte stieg von rund 122 000 im Jahr 2000 auf nahezu 218 000 im Jahr 2024. Das entspricht einem Anstieg von 78 %. Gleichzeitig besaß 2024 ein Viertel der Krankenhausärzte eine ausländische Staatsangehörigkeit. Ihre Zahl stieg innerhalb von zehn Jahren von rund 28 000 auf rund 54 000 und hat sich damit nahezu verdoppelt.
Ausländische Fachkräfte sind bereits ein wichtiger Bestandteil
Die Zahlen zeigen damit zwei Entwicklungen: Deutschland bildet weiterhin eigene Fachkräfte aus, gleichzeitig steigt die Bedeutung von Fachkräften aus dem Ausland.
In der Pflege wird der Bedarf in den kommenden Jahrzehnten deutlich wachsen. Je nach Entwicklung könnten bis 2049 zwischen 280 000 und 690 000 Pflegekräfte fehlen. Gleichzeitig wird ein großer Teil der Ärzteschaft in den kommenden Jahren das Rentenalter erreichen.
Ausländische Fachkräfte sind bereits heute ein wichtiger Bestandteil des Gesundheitswesens. Das zeigt sich insbesondere bei den Ärzten: 2024 besaß ein Viertel der Krankenhausärzte eine ausländische Staatsangehörigkeit. Gleichzeitig wurden ausländische Berufsabschlüsse in Deutschland zunehmend anerkannt. 2025 entfielen allein 32 000 Anerkennungen auf Pflegefachkräfte und 13 900 auf Ärztinnen und Ärzte.
Die Daten von Destatis und der Deutschen Krankenhausgesellschaft machen damit deutlich, welche Bedeutung die Anerkennung ausländischer Qualifikationen für den deutschen Arbeitsmarkt im Gesundheitswesen hat. Neben dem eigenen Nachwuchs tragen Fachkräfte aus dem Ausland bereits heute dazu bei, den steigenden Personalbedarf in Pflege und Medizin abzudecken.

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