Während des Massenandrangs von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika sind nach neuen Behördenangaben mindestens 72 Menschen ums Leben gekommen. Dies sei die jüngste Zahl, die ihm vorliege, sagte der Entsandte der spanischen Regierung in Ceuta, Miguel Ángel Pérez Triano, am Sonntag vor Journalisten. Zuvor war die Zahl von 67 Toten genannt worden.
Spanische Soldaten und Polizisten patrouillierten am Sonntag weiter in den Straßen von Ceuta, wo sich die Lage inzwischen weitgehend beruhigt hat. Im Verlauf der Woche waren nach spanischen Regierungsangaben bis zu 60.000 Menschen von Marokko auf dem Land- oder Seeweg in das Gebiet gekommen. Laut dem Innenministerium in Madrid kehrte aber mittlerweile “fast die Gesamtheit” der angekommenen Migranten nach Marokko zurück.
Die Geschehnisse in Ceuta lösten heftigen Streit innerhalb der Europäischen Union aus. Mehrere Mitgliedstaaten kritisierten die spanische Migrationspolitik. Spaniens sozialistischer Regierungschef Pedro Sánchez warf indessen einigen EU-Ländern eine “egoistische” und “rechtswidrige” Reaktion vor. Italien hatte für zunächst einen Monat wieder Kontrollen im Flug- und Schiffsverkehr mit Spanien eingeführt.
Mit der Ceuta-Krise und ihren Folgen für die europäische Migrationspolitik werden sich die EU-Innenminister am Dienstag in einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung befassen. Die Sitzung per Videoschaltung hatten die Staats- und Regierungschefs von 22 Mitgliedstaaten in einem gemeinsamen Schreiben sowie auch Sánchez in einem separaten Brief an die irische EU-Ratspräsidentschaft verlangt.
© Agence France-Presse

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