Elif Eralp: Die Spitzenkandidatin der Linken und ihr Plan für Berlin

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Elif Eralp tritt für die Berliner Linke als Spitzenkandidatin bei der Abgeordnetenhauswahl 2026 an. Ihre politischen Schwerpunkte liegen bei bezahlbarem Wohnen, sozialer Gerechtigkeit, einer solidarischen Stadt und dem Kampf gegen Rassismus.

Elif Eralp will Berlin grundlegend sozialer gestalten. Die Spitzenkandidatin der Linken verbindet ihren Wahlkampf vor allem mit der Frage, wie Menschen in der Hauptstadt trotz steigender Wohnkosten, sozialer Unterschiede und alltäglicher Probleme gut leben können. In ihrem politischen Verständnis soll Berlin wieder stärker als Gemeinschaft funktionieren. Nachbarschaften, in denen Menschen einander kennen und unterstützen, betrachtet sie als eine besondere Stärke der Stadt.

Für Eralp ist dabei klar: Eine soziale Stadt muss vor allem bezahlbar sein. Die Angst vor der nächsten Mieterhöhung dürfe nicht zum normalen Bestandteil des Lebens gehören. Gleichzeitig will sie Probleme wie Vermüllung, Verdrängung und Obdachlosigkeit stärker angehen.

Die Linke liegt wenige Tage vor der Wahl in den Umfragen vorn. In der jüngsten, am 11. September veröffentlichten Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen kommt sie auf 23 Prozent und liegt damit vor der CDU mit 21 Prozent. Die Grünen erreichen 16 Prozent, die AfD 17 Prozent und die SPD 10 Prozent.

Politisch geprägt durch ihre Familie

Eralp wurde 1981 geboren. Ihre Eltern waren türkische Sozialisten und Gewerkschafter, die in den 1980er-Jahren aus der Türkei nach Deutschland flohen. Politisches Engagement gehörte deshalb bereits zu ihrer Kindheit. Nach eigener Darstellung wurde sie schon früh von ihren Eltern zu Demonstrationen mitgenommen.

Eralp studierte Rechtswissenschaften an der Universität Hamburg und absolvierte anschließend ihr Referendariat. Während dieser Zeit beschäftigte sie sich unter anderem mit kritischer Rechtspolitik und engagierte sich in Projekten für Menschen mit Migrationsgeschichte. Nach ihrem zweiten Staatsexamen arbeitete sie im rechtspolitischen Bereich der Bundestagsfraktion der Linken.

2012 zog sie nach Berlin. Dort wurden insbesondere der Kampf gegen Rassismus und gegen die Verdrängung durch steigende Mieten zu ihren politischen Schwerpunkten. Sie engagierte sich unter anderem für bezahlbaren Wohnraum und gegen die Verdrängung von Mietern, kleinen Geschäften und Vereinen.

2017 trat Eralp der Linken bei. Seit November 2021 gehört sie dem Berliner Abgeordnetenhaus an. Dort ist sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Seit Mai 2025 ist sie außerdem stellvertretende Vorsitzende der Berliner Linken. 2026 wurde sie zur Spitzenkandidatin ihrer Partei bestimmt.

Bezahlbares Wohnen als Kern des Wahlkampfs

Das wichtigste Thema in Eralps Wahlkampf ist die Wohnungspolitik. Sie möchte verhindern, dass Menschen aufgrund steigender Mieten aus ihren Kiezen verdrängt werden.

Ein zentraler Bestandteil ihres Konzepts ist ein Mietendeckel für die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften. Damit sollen die Mieten bei den mehr als 400.000 landeseigenen Wohnungen stärker begrenzt werden.

Ein Mietendeckel für sämtliche Berliner Wohnungen ist schwieriger umzusetzen. Eine entsprechende Regelung war bereits in der Vergangenheit vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert. Eralp setzt deshalb zunächst auf Maßnahmen, die das Land Berlin selbst umsetzen kann. Gleichzeitig verbindet sie diese mit der langfristigen Forderung nach einem bundesweiten Mietendeckel.

Auch gegen private Vermieter und große Immobilienunternehmen will sie vorgehen. Geplant ist eine sogenannte „Taskforce Mietwucher“, die gegen besonders hohe oder unzulässige Mieten vorgehen soll. Wie diese Behörde genau organisiert werden und welche konkreten Kompetenzen sie erhalten soll, lässt ihr Fünf-Punkte-Plan allerdings offen.

Noch weiter geht Eralp bei großen Wohnungsunternehmen. Sie unterstützt die Vergesellschaftung großer Immobilienbestände und beruft sich dabei auf den Berliner Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“. Nach ihren Vorstellungen sollen große Wohnungskonzerne ab einem Bestand von 3.001 Wohnungen betroffen sein.

Für Eralp ist diese Forderung nicht nur eine soziale Frage. Sie argumentiert auch wirtschaftlich: Berlin müsse Wohnraum für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen bieten können. Wenn Auszubildende, Fachkräfte, IT-Spezialisten oder Ärzte keine bezahlbare Wohnung mehr fänden, könne dies auch die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt beeinträchtigen.

 

Ein saubereres Berlin

Neben den hohen Mieten gehört die Sauberkeit zu den Themen, die Eralp im Alltag der Berliner stärker angehen möchte. Sie sieht herumliegenden Müll nicht lediglich als ästhetisches Problem.

Deshalb fordert sie zusätzliche Mülleimer, häufigere Reinigungen und kostenlose Möglichkeiten zur Sperrmüllentsorgung. In ihrem Fünf-Punkte-Plan schlägt sie einen kostenlosen Sperrmülltag vor. Dadurch soll es für die Bewohner leichter werden, größere Gegenstände ordnungsgemäß zu entsorgen.

Bei illegal entsorgtem Gewerbemüll setzt Eralp dagegen stärker auf Kontrolle. Dafür möchte sie die Ordnungsämter personell besser ausstatten und bestehende Regeln konsequenter durchsetzen.

Mehr Bürgernähe

Eralp möchte auch den Kontakt zwischen Politik und Bevölkerung ausbauen. Ihr Fünf-Punkte-Plan sieht regelmäßige Bürgersprechstunden in allen 56 Berliner Stadtteilen vor.

Mit einer sogenannten „Berlin-Zusammen-Tour“ will sie erfahren, welche Probleme die Menschen vor Ort sehen und welche Erwartungen sie an die Politik haben. Das entspricht ihrem politischen Verständnis einer Stadt, deren Entwicklung nicht allein von der Landesregierung bestimmt werden soll.

Menschen ohne eigene Wohnung will sie stärker in den Blick nehmen. Einmal jährlich soll es im Roten Rathaus einen Neujahrsempfang für Wohnungslose geben.

Reichtum stärker besteuern

Eralps Sozialpolitik beschränkt sich nicht auf die Wohnungspolitik. Sie kritisiert die zunehmende Ungleichheit in Berlin. Während die Zahl wohlhabender Menschen steige, gebe es gleichzeitig viele Kinder, die in Armut aufwachsen.

Deshalb fordert sie eine stärkere finanzielle Beteiligung sehr wohlhabender Berliner am Gemeinwesen. Eine zusätzliche Abgabe soll nach ihren Vorstellungen auf besonders wertvolle Grundstücke und Häuser erhoben werden. Als Grenze nennt sie einen Wert von mehr als vier Millionen Euro.

Eralp versteht diese Forderung als Frage der Verteilungsgerechtigkeit. Ihr Ziel sei nicht, Wohlstand grundsätzlich zu bekämpfen, sondern die finanzielle Belastung zwischen sehr reichen und einkommensschwachen Teilen der Bevölkerung gerechter zu verteilen.

Eine andere Sicherheitspolitik

Auch bei der inneren Sicherheit setzt Eralp andere Akzente als konservative Parteien. Sie fordert mehr Transparenz bei polizeilichen Entscheidungen und kritisiert insbesondere die mangelnde Nachvollziehbarkeit bestimmter Einstufungen als kriminalitätsbelastete Orte.

Die Polizei müsse zudem stärker für den Umgang mit Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Queerfeindlichkeit sensibilisiert werden. Gleichzeitig betont Eralp, dass sie der Polizei keinen generellen Misstrauensvorschuss entgegenbringen wolle. Bei unverhältnismäßiger Gewalt oder rassistischen Äußerungen müsse es allerdings Konsequenzen geben.

Bei häuslicher Gewalt fordert sie mehr Plätze in Frauenhäusern, zusätzliche Beratungsangebote und eine bessere Prävention. Auch Wohnraummangel könne dabei eine Rolle spielen, wenn Betroffene Schwierigkeiten hätten, sich von einem gewalttätigen Partner zu trennen und eine eigene Wohnung zu finden.

Eine klare Position zum Islamismus

Eralp versucht zugleich, innerhalb ihrer Partei eine klare Haltung gegenüber islamistischem Extremismus zu vertreten. Nach einem Anschlag auf den Christopher Street Day bezeichnete sie die Tat ausdrücklich als islamistischen Hassanschlag.

Islamismus müsse als solcher benannt werden, argumentiert sie. Nur dann könne man das Problem gezielt bekämpfen und den Betroffenen gerecht werden.

Gleichzeitig warnt sie davor, solche Taten für eine pauschale Stimmung gegen Muslime zu verwenden. Als Konsequenz fordert sie mehr Prävention und Programme zur Deradikalisierung.

Der Nahostkonflikt als Belastungsprobe

Der Nahostkonflikt spielt in Eralps politischen Positionen eine wichtige Rolle. Sie kritisiert die israelische Regierung, fordert ein Ende der Waffenlieferungen und spricht sich für eine Aussetzung des EU-Assoziierungsabkommens mit Israel aus.

Sie weist zugleich den Vorwurf zurück, ihre Politik richte sich gegen jüdische Menschen. Für Eralp müssen die Perspektiven jüdischer und palästinensischer Menschen in Berlin gleichermaßen berücksichtigt werden.

Sie verspricht deshalb bei einer Regierungsbeteiligung einen stärkeren Schutz jüdischen Lebens und einen entschiedenen Kampf gegen Antisemitismus.

Wie schwierig dieses Thema für die Berliner Linke ist, zeigte sich bei einer Wahlkampfveranstaltung des Neuköllner Bezirksverbandes. Dort trat ein Rapper auf, der nach Medienberichten unter anderem Gewaltaufrufe und Aussagen gegen die israelische Armee vortrug. Eralp distanzierte sich deutlich von dem Auftritt. Sie bezeichnete entsprechende Aussagen als nicht akzeptabel und verlangte eine Aufklärung darüber, warum die Verantwortlichen nicht eingegriffen hätten.

Damit versucht Eralp, zwischen ihrer Kritik an der israelischen Regierung und dem Schutz jüdischen Lebens zu unterscheiden. Sie betont, dass Antisemitismus unabhängig von seiner politischen oder religiösen Herkunft bekämpft werden müsse.

Zwischen Regierungsanspruch und innerparteilichen Konflikten

Eralps politische Vorstellungen bringen sie nicht nur in Konflikt mit anderen Parteien, sondern teilweise auch mit politischen Kräften innerhalb ihrer eigenen Partei und möglichen Koalitionspartnern.

Vor allem die Forderung nach der Vergesellschaftung großer Immobilienbestände ist umstritten. Eralps Parteiführung betrachtet die Umsetzung des Volksentscheids zur Vergesellschaftung als wichtigen politischen Auftrag. Gleichzeitig lehnen mögliche Partner eine solche Forderung teilweise ab.

Eralp selbst hält dennoch an ihrer Position fest. Für sie war der Volksentscheid ein Auftrag der Berliner Bevölkerung und nicht ausschließlich ein Auftrag an die Linke.

Ein Berlin als „Solidarity City“

Hinter den einzelnen Forderungen steht ein übergeordnetes politisches Konzept. Eralp möchte Berlin als solidarische Stadt weiterentwickeln. Dazu gehören für sie die Aufnahme von Geflüchteten, eine bessere gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Migrationsgeschichte und ein Ende diskriminierender Polizeikontrollen.

Ihre politische Biografie passt zu diesem Anspruch. Erfahrungen aus der Migrationsgeschichte ihrer Familie, ihr Engagement gegen Rassismus und ihre Arbeit für bezahlbaren Wohnraum prägen ihre Vorstellungen von Berlin.

Gleichzeitig steht Eralp vor der Herausforderung, aus diesen politischen Forderungen konkrete Regierungspolitik zu machen. Ihr Fünf-Punkte-Plan setzt deshalb zunächst auf Maßnahmen, die für Bürger unmittelbar sichtbar sein sollen: niedrigere Mietbelastungen bei landeseigenen Wohnungen, härteres Vorgehen gegen Mietwucher, einfachere Sperrmüllentsorgung, mehr Bürgerdialog und eine stärkere Unterstützung wohnungsloser Menschen.

Ob daraus tatsächlich ein neues politisches Kapitel für Berlin entsteht, hängt letztlich vom Wahlergebnis und von möglichen Koalitionen ab. Fest steht jedoch: Mit Elif Eralp setzt die Berliner Linke auf eine Kandidatin, die soziale Gerechtigkeit, bezahlbares Wohnen und Antirassismus ins Zentrum ihrer politischen Erzählung stellt – und damit um das Amt der Regierenden Bürgermeisterin kämpft.

Quellen: Welt, Tagesschau

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