Armin Willingmann: Vom Hochschulrektor zum Spitzenpolitiker

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Als Spitzenkandidat der SPD will der langjährige Minister die Partei in Sachsen-Anhalt wieder stärker verankern, doch kurz vor der Landtagswahl liegt sie laut ZDF-Politbarometer bei nur 8,5 Prozent. Dabei setzt Willingmann auf soziale Sicherheit und wirtschaftliche Stärke.

Armin Willingmanns Weg in die Landespolitik begann nicht in einer Parteizentrale, sondern in der Wissenschaft. Der Jurist war über viele Jahre Professor und Rektor der Hochschule Harz, bevor er in die Landesregierung wechselte. Heute steht er für eine Sozialdemokratie, die soziale Sicherheit mit wirtschaftlicher Entwicklung verbinden will.

Geboren wurde Willingmann am 13. Januar 1963 in Dinslaken in Nordrhein-Westfalen. Er ist Jurist, verheiratet und Vater von zwei Kindern. Seine berufliche Laufbahn führte ihn schließlich nach Sachsen-Anhalt und insbesondere nach Wernigerode. Dort verbrachte er einen wesentlichen Teil seines Berufslebens an der Hochschule Harz.

Von 2003 bis 2016 war Willingmann Rektor der Hochschule Harz. In dieser Funktion war er nicht nur für die Leitung der Hochschule verantwortlich, sondern wurde auch zu einer wichtigen Stimme für die Hochschullandschaft Sachsen-Anhalts. Von 2008 bis 2016 war er zusätzlich Präsident der Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalt. Die Verbindung von Wissenschaft, Verwaltung und Politik sollte seinen späteren politischen Weg entscheidend prägen.

Der Weg in die Politik

Der Wechsel in die Landespolitik erfolgte 2016. Zunächst übernahm Willingmann für einige Monate das Amt des Staatssekretärs im Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung. Noch im selben Jahr wurde er Minister. Bis 2021 war er für das Ressort Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung verantwortlich.

Seit dem 16. September 2021 ist Willingmann Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt. Gleichzeitig ist er erster stellvertretender Ministerpräsident.

Seine politische Laufbahn ist eng mit der SPD verbunden. Willingmann trat 2008 in die Partei ein und ist seit 2020 stellvertretender Landesvorsitzender der SPD Sachsen-Anhalt. Dabei verkörpert er einen eher pragmatischen Politikstil. Er beschreibt Politik vor allem als den Versuch, unterschiedliche Interessen miteinander zu vereinbaren. Der Kompromiss ist für ihn kein Zeichen fehlender Entschlossenheit, sondern ein notwendiger Bestandteil demokratischer Politik.

Kompromisse ja, aber nicht um jeden Preis

Doch Kompromissbereitschaft bedeutet für Willingmann nicht, auf klare Positionen zu verzichten. Besonders deutlich wird das in seiner Haltung gegenüber der AfD.

Im aktuellen politischen Wettbewerb sieht er die SPD nicht nur mit der Aufgabe konfrontiert, ihre klassischen Themen zu vertreten. Für ihn geht es zugleich darum, einer politischen Entwicklung entgegenzutreten, die er als rechtsextremistisch bewertet. Eine Zusammenarbeit oder politische Schnittmenge mit der AfD lehnt er deshalb grundsätzlich ab.

Seine Argumentation ist dabei grundsätzlicher Natur. Im politischen Programm der AfD sieht Willingmann nicht lediglich einzelne Forderungen, über die man verhandeln könne, sondern einen umfassenden Veränderungsanspruch an Staat, Gesellschaft und Kultur. Gerade deshalb zieht er eine deutliche Grenze. Die Fähigkeit zum Kompromiss endet für ihn dort, wo er demokratische Grundüberzeugungen gefährdet sieht.

Die SPD als Partei der Arbeit?

Gleichzeitig beschäftigt ihn die Frage, wie die SPD verlorenes Vertrauen zurückgewinnen kann. Willingmann erkennt an, dass sich Teile der Arbeitnehmerschaft von seiner Partei entfernt haben könnten. Die SPD habe möglicherweise zu stark den Eindruck vermittelt, andere gesellschaftliche Gruppen stünden im Mittelpunkt.

Für Willingmann bedeutet soziale Politik allerdings nicht nur Unterstützung für Menschen, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Die SPD müsse sich wieder deutlicher als Partei der Arbeit verstehen und diejenigen erreichen, die jeden Tag arbeiten und ihren Lebensunterhalt selbst verdienen.

Dazu gehören für ihn gute und sichere Arbeitsbedingungen ebenso wie eine stärkere Tarifbindung. Auch die konkrete finanzielle Situation der Menschen spielt eine Rolle. Steigende Lebenshaltungskosten sind für Willingmann ein klassisches sozialdemokratisches Thema. Politik müsse dort ansetzen, wo das Land selbst Einfluss nehmen könne, und versuchen, die Lebensbedingungen der Menschen spürbar zu verbessern.

Zuwanderung als Antwort auf den Fachkräftemangel

Eine der größten Herausforderungen sieht Willingmann in der demografischen Entwicklung des Landes. Sachsen-Anhalt verliert beziehungsweise altert seine Bevölkerung, während gleichzeitig Fachkräfte benötigt werden. Für Willingmann führt daran eine Schlussfolgerung kaum vorbei: Das Land braucht Zuwanderung.

Dabei argumentiert er nicht in erster Linie mit gesellschaftspolitischen Begriffen, sondern mit konkreten wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Es gebe schlicht zu wenige Menschen, um die vorhandene Wirtschaftsleistung langfristig abzusichern. Wer auf Zuwanderung verzichten wolle, gefährde deshalb aus seiner Sicht letztlich den Wohlstand und den Lebensstandard des Landes.

Besonders deutlich wird diese Haltung mit Blick auf das Gesundheitswesen. Menschen aus dem Ausland seien längst ein fester Bestandteil des Arbeitsmarktes und damit auch der medizinischen Versorgung. Für Willingmann ist es deshalb problematisch, wenn ausländische Fachkräfte das Gefühl bekommen, in Sachsen-Anhalt nicht willkommen zu sein.

Gleichzeitig betrachtet er Zuwanderung nicht nur als ökonomisches Mittel. Eine offene Gesellschaft könne auch kulturell davon profitieren. Sachsen-Anhalt dürfe sich deshalb nicht abschotten und ein Klima schaffen, in dem Menschen das Gefühl bekommen, nicht willkommen zu sein.

Ein Politiker zwischen Ausgleich und klarer Haltung

Willingmann ist Sozialdemokrat, ohne seine Partei von Kritik auszunehmen. Er setzt auf soziale Absicherung, spricht aber ebenso über Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitskräfte. Er ist kompromissorientiert, zieht gegenüber der AfD jedoch eine klare Grenze. Er verteidigt die Energiewende, argumentiert dabei aber stark aus wirtschaftlichen Interessen heraus.

Vielleicht ist genau diese Verbindung der Kern seines politischen Stils. Willingmann versucht, Politik weniger als Kampf um die lauteste Position zu verstehen, sondern als Suche nach Lösungen, die unterschiedliche Interessen zusammenführen. Gleichzeitig zeigt seine Haltung zur AfD, dass für ihn nicht jede politische Differenz durch einen Kompromiss überbrückt werden kann.

Was Willingmann erreichen will

Armin Willingmann steht damit für eine Politik, die sich zwischen sozialdemokratischem Anspruch und pragmatischer Landespolitik bewegt. Seine Antworten auf die Herausforderungen Sachsen-Anhalts folgen dabei einem wiederkehrenden Muster: Probleme nicht leugnen, aber auch nicht größer machen als sie sind; Veränderungen zulassen, ohne den sozialen Zusammenhalt aus dem Blick zu verlieren; und dort Kompromisse suchen, wo unterschiedliche Interessen miteinander vereinbar sind.

Wo er allerdings eine Gefahr für demokratische Grundwerte sieht, endet seine Kompromissbereitschaft. Zwischen Ausgleich und Abgrenzung versucht Willingmann, seinen politischen Kurs zu bestimmen.

Die entscheidende Herausforderung dürfte für ihn darin liegen, diese Haltung auch politisch erfolgreich zu vermitteln. Er muss die traditionellen sozialdemokratischen Themen vertreten, gleichzeitig wirtschaftliche Perspektiven aufzeigen und Menschen erreichen, die sich von der SPD entfernt haben. Sein politischer Weg zeigt dabei einen Mann, der aus der Wissenschaft in die Politik gekommen ist und seine pragmatische Herangehensweise bis heute bewahrt hat.

Damit steht Armin Willingmann für ein politisches Verständnis, das weniger von großen Schlagworten als von konkreten Problemen und möglichen Lösungen geprägt ist. Seine zentrale Frage scheint dabei immer wieder dieselbe zu sein: Wie kann Sachsen-Anhalt sozial gerecht, wirtschaftlich stark und zugleich offen für die Zukunft bleiben?

Quellen: MDR, Welt, ZDF

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