In der Türkei laufen derzeit Ermittlungen zu verdächtigen Kapitalmarktgeschäften. Vier Personen wurden festgenommen, gegen 48 weitere wurde ein Ausreiseverbot verhängt. Gleichzeitig hat die türkische Kapitalmarktaufsicht (Sermaye Piyasası Kurulu, kurz: SPK) die Liquidation von 130 Investmentfonds angeordnet.
Die aufeinanderfolgenden Entscheidungen zu Liquidationen, Festnahmen und Handelsverboten im Zusammenhang mit den Portfolio- und Investmentfonds in der Türkei haben für Verwirrung gesorgt. Im Zentrum der Ereignisse steht die Frage, ob bei einigen Aktien der Borsa İstanbul, der türkischen Börse, Geschäfte getätigt wurden, die den natürlichen Ablauf des Marktes beeinträchtigen könnten.
Der Prozess verläuft auf zwei getrennten Ebenen. Während der Kapitalmarktausschuss administrative Entscheidungen zum Schutz der Anleger und der Marktordnung trifft, untersucht die Staatsanwaltschaft, ob bestimmte Transaktionen eine Straftat darstellen. Die SPK hat umfassende Maßnahmen im Zusammenhang mit den von Tera Portföy, Pusula Portföy, Hedef Portföy, Atlas Portföy, A1 Portföy, Pardus Portföy und Bulls Portföy aufgelegten Fonds ergriffen.
Was ist das eigentliche Thema der Portfolio Ermittlungen?
Das zentrale Thema der Ermittlungen ist die Frage, ob die bei bestimmten Aktien durchgeführten Käufe und Verkäufe auf dem Markt hinsichtlich Preis, Angebot oder Nachfrage ein falsches oder irreführendes Bild erzeugt haben.
Artikel 107 Absatz 1 des Kapitalmarktgesetzes regelt Geschäfte, die mit dem Ziel durchgeführt werden, hinsichtlich der Preise und Handelsvolumina von Kapitalmarktinstrumenten einen falschen oder irreführenden Eindruck zu erwecken, als Marktmanipulation.
Daher wird bei der Untersuchung nicht nur darauf geschaut, ob die Fonds Verluste erlitten haben. Die Behörden untersuchen, ob bestimmte Konten koordiniert gehandelt haben, ob die Kursbewegungen bei bestimmten Aktien unter natürlichen Marktbedingungen entstanden sind und wie Investmentfonds bei diesen Transaktionen eingesetzt wurden.
Wie können Fonds in diesem System eingesetzt werden?
Ein Investmentfonds investiert das Geld, das er von Tausenden von Anlegern eingesammelt hat, in Aktien, Anleihen und andere Kapitalmarktinstrumente. Je größer der Fonds wird, desto größer ist auch die von ihm verwaltete Geldmenge.
Insbesondere bei einer Aktie mit geringem Handelsvolumen kann der Preis schnell steigen, wenn große Mengen kontinuierlich gekauft werden. Anleger, die von außen auf den Markt schauen, können daraufhin ebenfalls kaufen, weil sie davon ausgehen, dass bei der Aktie eine starke Nachfrage besteht.
Wenn miteinander verbundene Anleger oder Konten durch koordinierte Käufe und Verkäufe dieses Bild erzeugen, kann sich die daraus entstehende Bewegung von der natürlichen Angebots- und Nachfragesituation des Marktes unterscheiden.
Eine der grundlegenden Fragen, die die SPK und die Staatsanwaltschaft untersuchen, ist daher, ob bei bestimmten Transaktionen eine solche Struktur vorhanden war. Diese Möglichkeit bedeutet noch nicht, dass eine entsprechende gerichtliche Entscheidung endgültig getroffen wurde.
Warum hat die SPK die Fonds vom Handel ausgeschlossen?
Nach den Entwicklungen an der Borsa İstanbul hat die SPK die über zentrale türkische Fondsplattform TEFAS gehandelten Fonds von sieben Portfoliomanagementgesellschaften für Käufe und Verkäufe gesperrt. Der Ausschuss beschloss außerdem, für 130 Fonds den Liquidationsprozess einzuleiten.
Das grundlegende Ziel der Entscheidung besteht darin, unkontrollierte Geldabflüsse aus den Fonds und umfangreiche Verkäufe der Vermögenswerte in den Portfolios innerhalb kurzer Zeit zu verhindern.
Denn wenn viele Anleger gleichzeitig aus einem Fonds aussteigen wollen, muss der Fondsmanager die Aktien in seinem Portfolio verkaufen, um die Anleger auszahlen zu können.
Insbesondere bei Aktien mit einer begrenzten Zahl von Käufern kann der Beginn umfangreicher Verkäufe die Aktienkurse noch weiter nach unten drücken. Während der Wert des Fonds mit sinkenden Preisen abnimmt, können neue Verkaufsforderungen den Prozess zusätzlich erschweren.
Was bedeutet die Liquidation der 130 Fonds?
Die Liquidationsentscheidung bedeutet nicht, dass das gesamte Geld im Fonds verschwunden ist.
Bei der Liquidation eines Fonds werden die im Portfolio befindlichen Vermögenswerte veräußert. Nachdem die Verbindlichkeiten und Forderungen des Fonds berechnet worden sind, wird das verbleibende Geld entsprechend dem Anteil der Anleger an den jeweiligen Fondsanteilen verteilt.
Der endgültige Betrag, den ein Anleger erhält, wird jedoch davon abhängen, zu welchen Preisen die Vermögenswerte im Portfolio des Fonds verkauft werden können.
Daher werden für die Anleger die wichtigsten Fragen sein, wie lange die Liquidation dauern wird, zu welchen Preisen die Aktien verkauft werden können und an welchem Datum die Auszahlungen erfolgen werden.
Fondsvolumen von 826 Milliarden Lira
Nach den von CNBC-e übermittelten Angaben erreicht das Gesamtvolumen der 130 Fonds, die von der Liquidation betroffen sind, etwa 826 Milliarden Lira. In den Fonds befinden sich mehr als 514.000 Anleger.
Aufgrund dieser Größenordnung betrifft die getroffene Entscheidung nicht nur einige wenige Unternehmen, sondern Hunderttausende Privatanleger direkt.
Warum wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet?
Während die Maßnahme der SPK die administrative und regulatorische Ebene darstellt, wird auf Seiten der Staatsanwaltschaft ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren geführt.
Nach Strafanzeigen der SPK im Zusammenhang mit bestimmten Aktientransaktionen leitete die Staatsanwaltschaft Istanbul Ermittlungen ein.
Im Rahmen der Ermittlungen wurde Muhammet Yarız, Vorsitzender des Verwaltungsrats von Pusula Portföy Yönetim, in Untersuchungshaft genommen. Namık Kemal Gökalp, İbrahim Bekci und Altunç Kumova wurden festgenommen.
Gegen insgesamt 48 Personen, darunter Emre Tezmen und Serdar Turhan, wurde als Maßnahme der gerichtlichen Kontrolle ein Ausreiseverbot verhängt.
Die Entscheidungen über Untersuchungshaft, Festnahme oder gerichtliche Kontrolle bedeuten nicht, dass die Schuld der Verdächtigen feststeht. Im Rahmen der Ermittlungen werden die Transaktionen und Geldbewegungen weiterhin untersucht.
Welche Aktien wurden untersucht?
In den bisher öffentlich bekannt gewordenen Ermittlungen geht es um Transaktionen, die innerhalb bestimmter Zeiträume bei den Aktien von Katılımevim, Gündoğdu Gıda und Destek Faktoring durchgeführt wurden.
Die SPK erstattete im Zusammenhang mit einem Teil dieser Transaktionen im Rahmen der Bestimmungen zur Marktmanipulation Strafanzeige und verhängte gegen einige Personen Handelsverbote.
Die Staatsanwaltschaft untersucht dagegen die Verbindungen zwischen den Konten, von wem die Transaktionen durchgeführt wurden und ob dadurch bei den Kursen ein irreführendes Bild erzeugt wurde.
Wie sollte man diesen Vorfall verstehen?
Um das System zu verstehen, muss man den Prozess in drei Teile aufteilen.
In der ersten Phase sammeln Investmentfonds Geld von Hunderttausenden Menschen ein und investieren dieses Geld in Aktien an der Borsa İstanbul.
In der zweiten Phase leitet die SPK eine Untersuchung ein, weil der Verdacht besteht, dass die Transaktionen bei einigen Aktien vom natürlichen Ablauf des Marktes abweichen könnten.
In der dritten Phase werden sowohl zum Schutz der Anleger Handels- und Liquidationsmaßnahmen gegen die Fonds ergriffen als auch Transaktionen, bei denen ein Verdacht auf eine Straftat besteht, an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.
Die grundlegende Frage der heute stattfindenden Portfolio-Ermittlung lautet daher:
Wurde das von den Fonds verwaltete Geld in Höhe von Milliarden Lira dazu verwendet, bei bestimmten Aktien ein künstliches Bild von Preisen oder Nachfrage zu erzeugen?
Die Ermittlungen der SPK und der Staatsanwaltschaft versuchen, diese Frage zu beantworten. Solange die Ermittlungen nicht abgeschlossen sind, ist es jedoch nicht möglich, zu dem Schluss zu kommen, dass bestimmte Personen oder Unternehmen Marktmanipulation betrieben haben.

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