Der Verband der Frauenvereine der Türkei (Türkiye Kadın Dernekleri Federasyonu, TKDF) hat seinen Datenbericht zu Frauenmorden für Juli 2026 veröffentlicht. Dem Bericht zufolge wurden im Juli 19 Frauenmorde und 11 verdächtige Todesfälle von Frauen registriert. Damit verloren in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 insgesamt 231 Frauen ihr Leben, darunter 160 infolge von Frauenmorden und 71 unter verdächtigen Umständen.
Dem Bericht zufolge war die Altersgruppe der 19- bis 35-Jährigen am stärksten von Frauenmorden betroffen. Die Auswertung zeigt zudem, dass die Täter in den meisten Fällen Männer aus dem engsten Umfeld der Frauen waren. Von den im Juli getöteten Frauen wurden acht von einem Familienmitglied, fünf von einem Mann, von dem sie geschieden waren oder sich im Scheidungsverfahren befanden, und drei von ihrem Partner getötet. Den Daten zufolge wurde ein erheblicher Teil der Frauenmorde in Wohnungen verübt. Der Großteil der im Juli registrierten Morde ereignete sich in Wohnungen, wobei Schusswaffen die häufigste Tötungsmethode waren. Die Daten für die ersten sieben Monate des Jahres zeichnen ein ähnliches Bild: In diesem Zeitraum wurden 155 Frauen in ihrer Wohnung und 108 Frauen mit Schusswaffen getötet.
Die TKDF betonte, dass Frauenmorde nicht als Einzelfälle betrachtet werden dürften. Sie rief dazu auf, die Mechanismen zur Verhinderung von Gewalt wirksam umzusetzen und gleichstellungspolitische Maßnahmen zu verwirklichen, die das Recht der Frauen auf Leben schützen.
In ihrer Bewertung erklärt die Föderation, die vorliegenden Zahlen machten deutlich, dass Frauenmorde das Ergebnis struktureller Probleme seien und nicht als Einzelfälle verstanden werden dürften. Besonders alarmierend sei, dass Frauen überwiegend in ihrem eigenen Zuhause getötet würden und Frauen, die sich scheiden lassen oder von ihrem Partner trennen wollten, einem besonders hohen Risiko ausgesetzt seien. Dies zeige, dass patriarchale Strukturen und geschlechtsspezifische Ungleichheit das Recht von Frauen auf Leben unmittelbar bedrohten.
Zugleich kritisiert die TKDF, dass Frauen trotz bestehender Schutzanordnungen getötet würden. Dies verdeutliche erhebliche Defizite bei der Umsetzung von Schutz- und Präventionsmaßnahmen sowie bei der Zusammenarbeit der zuständigen Behörden. Die Föderation fordert deshalb wirksame Schutzmechanismen, wissenschaftlich fundierte Risikoanalysen und eine konsequente Berücksichtigung des Gewaltrisikos in Gerichtsverfahren.
Abschließend betont die TKDF, dass Frauenmorde nur durch eine entschlossene Gleichstellungspolitik, eine wirksame Bekämpfung der Straflosigkeit und die konsequente Durchsetzung von Schutzmaßnahmen verhindert werden könnten.

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