Neue Wendung im Fall Rojin Kabaiş: DNA-Spuren von zwei verschiedenen Männern entdeckt

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Im Todesfall der Studentin Rojin Kabaiş aus Van ist eine neue, brisante Entwicklung ans Licht gekommen. Laut einem Bericht des Istanbuler Instituts für Gerichtsmedizin (Adli Tıp Kurumu) wurden an Kabaiş’ Körper DNA-Spuren von zwei verschiedenen Männern festgestellt – eine an der Brust, die andere im inneren Vaginalbereich.

Versuch, den Tod als Selbstmord darzustellen

Seit Beginn der Ermittlungen sei der Versuch unternommen worden, den Tod von Rojin Kabaiş als Selbstmord darzustellen, erklärten die Anwaltskammern von Diyarbakır und Van in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Zeynep Demir vom Frauenzentrum der Vaner Anwaltskammer sagte:

„Der Bericht zeigt, dass zwei unterschiedliche männliche DNA-Spuren gefunden wurden – eine an der Brust, eine im Vaginalbereich. Das erhärtet den Verdacht einer sexuellen Gewalttat.“

Verzögerung durch das gerichtsmedizinische institut

Die Anwältinnen und Anwälte kritisieren, dass entscheidende Informationen über die Herkunft der DNA-Proben lange Zeit nicht übermittelt wurden. Dadurch sei die Untersuchung mehr als ein Jahr lang blockiert worden.

Nahit Eren, ebenfalls von der Vaner Anwaltskammer, erklärte, dass der Bericht des Adli Tıp Kurumu verspätet eingegangen sei und dadurch „wertvolle Zeit in einem sensiblen Verfahren verloren gegangen“ sei.

Die beiden Anwaltskammern haben inzwischen Strafanzeige gegen das Institut gestellt, da es seine Informationspflichten verletzt habe.

Familie fordert Gerechtigkeit

Rojin Kabaiş’ Vater, Nizamettin Kabaiş, äußerte sich verzweifelt:

„Wir brennen seit einem Jahr vor Schmerz. Wir wollen, dass diejenigen, die meine Tochter getötet haben, endlich gefunden werden.“

Die Familie fordert eine gründliche und transparente Aufklärung des Falls, der in der Öffentlichkeit zunehmend Empörung hervorruft.

Ein Fall, der Fragen aufwirft

Der Tod der Studentin hatte landesweit Proteste ausgelöst. Frauenrechtsorganisationen sprechen von einem weiteren Beispiel für institutionelles Versagen bei geschlechtsspezifischer Gewalt in der Türkei. Sie fordern eine unabhängige Untersuchung sowie Konsequenzen für alle Behörden, die den Fall verzögert haben.

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