Türkei: Neue Ermittlungen im Fall der seit sechs Jahren vermissten Studentin

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Im Fall der seit sechs Jahren vermissten Studentin Gülistan Doku ist es zu einer entscheidenden Wendung gekommen. Auf Anweisung der Generalstaatsanwaltschaft von Tunceli wurden im Zuge eines Mordverdachts zeitgleich in sieben Provinzen Razzien durchgeführt; gegen 13 Verdächtige ergingen Haftbefehle. Unter den Festgenommenen befinden sich neben Dokus früherem Partner Zeinal Abakarov auch Mustafa Türkay Sonel, der Sohn des damaligen Gouverneurs von Tunceli, Tuncay Sonel.

Gülistan Doku hatte am 5. Januar 2020 ihr Wohnheim in Tunceli verlassen und ist seither spurlos verschwunden. Am selben Tag hatten Überwachungskameras aufgezeichnet, wie sie sich in einer Konditorei mit ihrem früheren Freund stritt. Anschließend soll sie in einen Kleinbus gestiegen sein; danach verliert sich ihre Spur. Familie und Öffentlichkeit hegten seit langem den Verdacht eines Gewaltverbrechens. Auch ein Suizid wurde untersucht, insbesondere durch umfangreiche Suchmaßnahmen im Uzunçayır-Stausee – jedoch ohne Ergebnis.

Die Ermittlungen kamen über Jahre hinweg nur schleppend voran. Die Familie erhob wiederholt den Vorwurf der Vertuschung und der gezielten Beseitigung von Beweismitteln. In dieser Zeit wechselte die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft dreimal. Die Worte des Vaters Halit Doku – „Ich bin ein einfacher Mann; wäre ich das nicht, hätte man längst herausgefunden, was meiner Tochter widerfahren ist“ – fanden breite Beachtung.

Neue Dynamik erhielt das Verfahren zuletzt durch die Auswertung von 700 Stunden zusätzlichen Videomaterials aus öffentlichen und privaten Kamerasystemen, durch Telekommunikationsdaten, eingegrenzte Funkzellenanalysen sowie Aussagen geheimer Zeugen. Die Ermittlungen werden inzwischen nicht mehr lediglich als Vermisstenfall geführt, sondern umfassen den Verdacht auf Mord, Beweismanipulation, die Löschung digitaler Spuren sowie mögliche Vertuschung.

Die von Tunceli aus koordinierte Operation erstreckte sich auf Istanbul, Ankara, Bursa, Izmir, Antalya, Elazığ und Tunceli. Von den 13 Verdächtigen konnten nach Angaben aus Ermittlerkreisen bislang elf bis zwölf festgenommen werden. Die Vernehmungen haben begonnen. Ziel der Ermittlungen ist es, das Schicksal Gülistan Dokus aufzuklären und eine mögliche Kette von Gewaltverbrechen und deren Verschleierung offenzulegen. Für die Familie, die seit Jahren auf Gerechtigkeit wartet, stellt die Operation den ersten umfassenden und greifbaren Schritt nach „sechs Jahren des Schweigens“ dar.

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