Auf dem niederländischen Kreuzfahrtschiff Hondius kam es während einer Reise im Südatlantik zu einem Hantavirus-Ausbruch mit mehreren Todesfällen und internationalen Gesundheitsmaßnahmen. Die Reise begann am 1. April im argentinischen Ushuaia.
Erster Todesfall an Bord
Laut dem türkischen Videoblogger Ruhi Cenet, der selbst Passagier der Reise war, wurde am 12. April der Tod eines 70-jährigen niederländischen Passagiers bekanntgegeben. Der Mann war bereits am Vortag gestorben. Der Kapitän sprach zunächst von einem „natürlichen Tod“ und erklärte, laut Schiffsarzt bestehe keine Ansteckungsgefahr.
An Bord habe sich der Alltag danach zunächst kaum verändert. Passagiere hätten weiterhin gemeinsam gegessen, sich am Buffet aufgehalten und keine Masken getragen. Cenet kritisierte später, die Verantwortlichen hätten die Gefahr nicht ernst genug genommen.
Weitere Infektionen und Todesfälle
Später stellte sich heraus, dass es sich um einen Hantavirus-Ausbruch handelte. Insgesamt starben drei Menschen: der erste niederländische Passagier, seine Ehefrau sowie eine deutsche Passagierin. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation infizierten sich mindestens fünf weitere Menschen definitiv oder mutmaßlich mit dem Virus.
Die Ehefrau des ersten Todesopfers verließ das Schiff am 24. April auf der Insel St. Helena und flog anschließend nach Johannesburg in Südafrika, wo sie am 26. April in einem Krankenhaus starb. Auch eine deutsche Passagierin starb am 2. Mai an Bord des Schiffes.
Sorge um mögliche Ausbreitung
Besondere Sorgen bereitete ein Zwischenstopp auf der abgelegenen Inselgruppe Tristan da Cunha. Trotz des ersten Todesfalls gingen dort zahlreiche Passagiere an Land und hatten Kontakt zu Bewohnern der Insel. Cenet bezeichnete dies später als mögliches „Worst-Case-Szenario“, da es auf der Insel nur begrenzte medizinische Versorgung gibt.
Nachdem das Virus bestätigt worden war, wurden Passagiere und Kontaktpersonen in mehreren Ländern untersucht oder isoliert. In Deutschland wurde eine Kontaktperson ohne Symptome in der Universitätsklinik Düsseldorf getestet. Auch in den Niederlanden, Großbritannien, Dänemark, Singapur, der Schweiz und Südafrika liefen Untersuchungen und Quarantänemaßnahmen.
Evakuierungen und Quarantäne
Das Schiff lag zeitweise vor Kap Verde vor Anker. Von dort wurden zwei erkrankte Besatzungsmitglieder sowie eine deutsche Kontaktperson per Evakuierungsflug nach Amsterdam gebracht. Später nahm die „Hondius“ Kurs auf die Kanareninsel Teneriffa.
Nach Angaben des Kreuzfahrtveranstalters Oceanwide Expeditions befanden sich nach der Evakuierung keine symptomatischen Personen mehr an Bord. Passagiere wurden inzwischen in ihren Kabinen isoliert und trugen Masken.
Hintergrund zum Virus
Die Weltgesundheitsorganisation vermutet, dass sich der erste niederländische Patient bereits vor Reisebeginn infiziert hatte. Er und seine Frau hatten zuvor mehrere Monate durch Argentinien, Chile und Uruguay gereist.
Hantaviren werden normalerweise von Nagetieren auf Menschen übertragen. Bei der in Südamerika verbreiteten Andesvirus-Variante, die bei den Fällen nachgewiesen wurde, ist jedoch auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Die EU-Kommission stufte das Risiko für Europa dennoch weiterhin als gering ein.

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