Der personelle Aderlass beim türkischen Fernsehsender Halk TV setzt sich fort. Nach dem Beginn der Trennungswelle mit Seda Selek sowie den Abgängen von Sorel Dağıstanlı und Buket Güler hat nun auch Gözde Şeker ihren Abschied angekündigt. In der von ihr moderierten Hauptnachrichtensendung erklärte Şeker: „Morgen wird meine letzte Sendung bei Halk TV sein“ – und verabschiedete sich damit von den Zuschauern.
Streit um Meinungsfreiheit verschärft die Krise
Als einer der Auslöser der Krise gilt die Unterstützung für die Journalistin Seda Selek. Sorel Dağıstanlı erklärte, nach einem Solidaritätsbeitrag zugunsten Seleks entlassen worden zu sein. Die Entscheidung wertete er als Ausdruck mangelnder Toleranz gegenüber der Meinungsfreiheit. Dağıstanlı, der fünf Jahre für den Sender tätig gewesen war, sagte, ein Beitrag in den sozialen Medien sei als Kündigungsgrund angeführt worden. „An einem Ort zu bleiben, an dem man eine Äußerung im Rahmen der Meinungsfreiheit nicht duldet, wäre Zeitverschwendung“, erklärte er.
Arbeitsbedingungen und Arbeitnehmerrechte im Fokus
Die Auseinandersetzung beschränkt sich indes nicht auf die prominenten Abgänge. Seda Selek erhob darüber hinaus schwerwiegende Vorwürfe zu den internen Arbeitsbedingungen des Senders. Einige Beschäftigte arbeiteten seit zwei Jahren ohne Gehaltserhöhung; zudem sei die für Journalisten vorgesehene Presseversicherung nicht abgeschlossen worden. Auch Leistungen wie die Kostenübernahme für den Arbeitsweg seien gestrichen worden, behauptete Selek.
Zugleich kritisierte sie eine Ungleichbehandlung innerhalb des Hauses. Bestimmte Mitarbeiter würden privilegiert behandelt, während Anliegen anderer Mitarbeiter ignoriert würden. Der Sender betreibe eine „die betriebliche Ordnung zerrüttende Lohnpolitik“, sagte sie.
Forderung nach Offenlegung der Gehaltsabrechnungen
Der Eigentümer des Senders, Cafer Mahiroğlu, wies die Vorwürfe zurück. Die ausgeschiedenen Mitarbeiter hätten hohe Gehälter bezogen, erklärte er und verglich diese mit den Einkommen von Professoren.
Diese Äußerungen stießen auf scharfe Kritik. Mehrere Journalistinnen und Journalisten, darunter Sorel Dağıstanlı und Seda Selek, forderten daraufhin die Veröffentlichung der Gehaltsabrechnungen. „Sie können meine Abrechnung gerne veröffentlichen – dann werden wir sehen, ob es tatsächlich ein Professorengehalt ist“, entgegnete Dağıstanlı.
„Es geht nicht um Geld, sondern um Gerechtigkeit“
Nach Darstellung der betroffenen Journalisten geht es in der Auseinandersetzung nicht allein um finanzielle Fragen. Im Mittelpunkt stünden vielmehr Vorwürfe der Einschränkung von Meinungsfreiheit, der Störung des innerbetrieblichen Friedens sowie Verstöße gegen Arbeitnehmerrechte.
Auch die bereits im Januar entlassene Journalistin Selin Sabit schaltete sich in die Debatte ein. Sie erklärte, erst zwei Tage nach ihrer Kündigung durch eine Mitteilung der türkischen Sozialversicherung von ihrer Entlassung erfahren zu haben. Gegen den Sender wolle sie juristisch vorgehen.
Unterdessen übte auch die frühere Ankara-Repräsentantin des Senders, Özlem Akarsu Çelik, scharfe Kritik an der Führung von Halk TV. Sie sprach von gravierenden Missständen bei Arbeitsbedingungen und Arbeitnehmerrechten innerhalb des Hauses.

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