Drohnen, die Industrie- oder Militäranlagen ausspionieren, den Verkehrsbetrieb an Flughäfen stören oder lahmlegen oder gar wie in Leipzig für Sprengstoff-Anschläge genutzt werden sollen: Die unbemannten Fluggeräte sind in den vergangenen Jahren immer mehr zum Sicherheitsrisiko geworden. Die Bundesregierung will nun mit einem “Technologiezentrum Drohnensicherheit” auch gezielte Abwehrmöglichkeiten entwickeln. Es wird am Dienstag in Sachsen-Anhalt eröffnet.
Wo soll das Zentrum entstehen?
Genutzt wird der Flughafen Magdeburg-Cochstedt. Auf diesem betreibt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) seit 2021 bereits das Nationale Erprobungszentrum für Unbemannte Luftfahrtsysteme. Neben der Forschung geht es dabei bisher insbesondere um Tests für die Zulassung neuer Drohnenmodelle. Das neue Technologiezentrum Drohnensicherheit soll nun von der DLR gemeinsam mit dem Bundesinnen- und Bundesforschungsministerium aufgebaut werden und auch die DLR-Niederlassung in Braunschweig in Niedersachsen umfassen.
Warum sieht die Bundesregierung Handlungsbedarf?
Die Drohnentechnik entwickelt sich rasant. KI-gesteuerte Drohnen können etwa auch auf Ziele zufliegen, wenn durch Störsender ihr Kontakt zur Leitstelle unterbrochen wird. Auch das Erkennen unterschiedlicher Drohnen-Typen durch Sensoren wird immer mehr zur Herausforderung, was im Ernstfall die Abwehr etwa über das Einfangen mit Netzen, durch Rammen oder gar durch den Abschuss erschwert.
“Das Wettrüsten der Drohnentechnologie erfordert eigene Forschungseinheiten, um Schritt halten zu können”, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) nach dem jüngsten Vorfall mit einer Sprengstoff-Drohne in Leipzig. In Cochstedt entstehe dazu jetzt eine “bundesweit einzigartige Einrichtung, in der innovative Technologien für die Drohnensicherheit in Reallaboren erforscht, entwickelt und erprobt werden”.
Es gehe auch um “die Beschaffung von Drohnentechnik”, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums am Montag. Nötig sei in dem Bereich “sehr viel Forschung und Entwicklung und eine Beobachtung auch neuer Technologien”, um einzuschätzen, “was wir hier wie umsetzen können”. Das Zentrum in Cochstedt werde gleichzeitig “ein wesentlicher Baustein sein, um die Entwicklung von neuen Technologien voranzutreiben”.
Welche Möglichkeiten bietet der Standort?
Der Airport Magdeburg-Cochstedt ist ein voll ausgestatteter Verkehrsflughafen. Allerdings gibt es dort nur noch begrenzten regulären Flugbetrieb, seitdem der Billigflieger Ryanair sich 2013 von dem Standort zurückgezogen hat. Damit bietet das Gelände gute Bedingungen für alle möglichen Arten von Tests unbemannter Fluggeräte.
Teil des Geländes ist neben Flughafeneinrichtungen wie Tower, Bürogebäuden oder Hangars auch eine “Modellstadt” aus Containern, um Drohnenflüge im urbanen Raum zu simulieren. Sie soll in den nächsten Jahren ausgebaut werden. In einem Hangar gibt es auch einen “Drohnenkäfig für Indoor-Flugversuche”. Hinzu kommen alle möglichen Anlagen zur Teststeuerung und -verfolgung.
© Agence France-Presse

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