Unter seiner Ägide wurde das Familienunternehmen Kühne+Nagel zum weltweit führenden Logistikdienstleister: Der Unternehmer und Investor Klaus-Michael Kühne setzte früh auf das internationale Geschäft. Kühne lebte in der Schweiz und auf Mallorca, dennoch blieb er seinem Geburtsort Hamburg lebenslang verbunden – wenn es um den Fußballverein HSV ging, konnte er sogar poetisch werden. In der Nacht auf Montag starb der Unternehmer im Alter von 89 Jahren.
Kühne wurde 1937 als einziges Kind von Alfred und Mercedes Kühne in Hamburg geboren. Sein Großvater August Kühne hatte die maritime Spedition Kühne+Nagel 1980 mit seinem Geschäftspartner Friedrich Nagel in Bremen gegründet, auch Vater Alfred war in der Firma tätig.
Klaus-Michael Kühne kam 1958 als Volontär zu dem Familienunternehmen und übernahm bereits 1966 mit Ende 20 von seinem Vater den Vorstandsvorsitz des Unternehmens. Alfred Kühne war fortan Aufsichtsratschef und verlegte 1969 den Unternehmenssitz in die Schweiz, da er die Auswirkungen der Politik der Koalition aus SPD und FDP unter Willy Brandt als Bundeskanzler fürchtete.
Nach dem Rückzug seines Vaters wurde Klaus-Michael Kühne im Jahr 1975 Firmenchef der Kühne+Nagel International AG und von 1992 bis 2011 dessen Verwaltungsratspräsident. Seit 2011 war Kühne noch Ehrenpräsident des Verwaltungsrats.
In seiner Zeit an der Unternehmensspitze baute Kühne den Konzern zu einem weltweit führenden Logistikdienstleister im Luft- und Seefrachtverkehr aus und entwickelte Standbeine wie den Transport über Schiene und Straße. Heute hat Kühne+Nagel rund 88.000 Mitarbeitende an über 1300 Standorten in 100 Ländern.
In den 90er Jahren gründete der Unternehmer die Kühne Holding, über die er in eine ganze Reihe namhafter Unternehmen investierte, etwa die Reederei Hapag-Lloyd und die Lufthansa. Als Investoren kennen ihn auch die Hamburgerinnen und Hamburger, vor allem die Fans des HSV.
An dem seit 2014 in einer AG ausgegliederten Profifußball des Vereins hielt Kühne zwischenzeitlich einen Anteil von 20,6 Prozent, verringerte diesen aber später wieder. Kühne blieb nicht nur beim stummen Mitfiebern: Er hatte auch klare Vorstellungen davon, was bei dem Verein geschehen müsste und kritisierte die Verantwortlichen teils scharf.
Zugleich kam Kühne ins Schwärmen, wenn sein Verein erfolgreich war. Zum Wiederaufstieg in die Fußball-Bundesliga 2025 widmete der Unternehmer seinem Herzensklub ein kleines Gedicht, das die “Bild” veröffentlichte. “Der HSV, dass ich’s nicht fasse, ist wieder allererste Klasse, gewartet hat man sieben Jahr, jetzt werden alle Träume wahr”, dichtete Kühne.
Kühne engagierte sich auch in anderen Hamburger Belangen, seine Frau Christine und er werden etwa auf der Webseite der Elbphilharmonie auf der Liste der Mäzene mit Zuwendungen von mindestens einer Million Euro geführt.
Der Schweizer “Tagesanzeiger” fragte den Investoren einmal mit Blick auf die einstige Verlegung des Firmensitzes in die Schweiz, ob dieses Engagement in der Hansestadt auch eine Art Ausgleich für die Steuern sei, die Kühne in Hamburg nicht zahle. Er sei der Meinung, “dass jeder erfolgreiche Unternehmer dazu verpflichtet ist, einen Teil seines Geldes der Allgemeinheit zu geben”, antwortete Kühne. “Dass davon ein Teil in Deutschland bleibt, ist sicherlich ein gewisser Ausgleich dafür, dass ich hier steuerlich gut gefahren bin.”
Seine Geschäfte brachten ihm ein enormes Vermögen ein: Laut US-Magazin “Forbes” gilt Kühne als zweitreichster Deutscher nach dem Gründer der Supermärkte Lidl und Kaufland, Dieter Schwarz.
Die Geschichte des Konzerns in Familienhand endet nun mit dem Tod des Unternehmers – Kühne und seine Frau haben keine Kinder. Kühnes Firmenanteile erbt die 1976 gegründete, gemeinnützige Kühne-Stiftung. “Die dritte Generation ist die letzte in der Familie”, sagte er dem “Tagesanzeiger”. “Als Familienunternehmer finde ich es schade, dass ich das Unternehmen persönlich nicht vererben kann, aber andererseits ist es auch ein Risiko. Deshalb sehe ich das relativ leidenschaftslos.”
© Agence France-Presse
Foto: Monster4711 / Wikimedia Commons, „Kuehne Taufe.jpg“, CC BY-SA 3.0

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