Papst Leo XIV. beginnt erste Auslandsreise – Türkei und Libanon im Fokus

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Rund sieben Monate nach seiner Wahl bricht Papst Leo XIV. zu seiner ersten Auslandsreise auf. Vom 27. bis 30. November besucht das Oberhaupt der katholischen Kirche zunächst die Türkei, anschließend bis zum 2. Dezember den Libanon. Für Christen weltweit, aber auch für viele Muslime in der Region, gilt diese Reise als bedeutendes Signal.

Historische Orte im Mittelpunkt

In der Türkei stehen Besuche in Ankara, Istanbul und der Stadt Iznik auf dem Programm. Iznik – das antike Nizäa – war vor rund 1700 Jahren Schauplatz des ersten ökumenischen Konzils und gilt als einer der wichtigsten Orte der frühen Kirchengeschichte. In Istanbul wird Leo XIV. traditionell am 30. November dem Fest des Apostels Andreas beiwohnen, einem zentralen Gedenktag der orthodoxen Kirche.

Signal an die Orthodoxie

In Istanbul trifft der Papst mit dem ökumenischen Patriarchen Bartholomaios zusammen, dessen Kirche seit Jahrzehnten unter staatlichen Beschränkungen leidet. Nach Einschätzung von Kirchenhistorikern ist die Religionsfreiheit für viele christliche Gemeinschaften in der Türkei weiterhin begrenzt. Der seit über 50 Jahren geschlossene orthodoxe Priesterseminar auf der Insel Chalki gilt als Symbol dieser Einschränkungen.

Große Erwartungen an den christlich-islamischen Dialog

Der Besuch eines überwiegend muslimischen Landes als erstes Reiseziel wird von vielen Beobachtern als bedeutsames Zeichen der Anerkennung gewertet. Der Jesuit und Islamwissenschaftler Felix Körner betont, viele Muslime empfänden die Reise als Ehre – auch wenn sie nicht allein auf den islamischen Kontext ausgerichtet sei. Papst Leo XIV. verkörpere für viele eine Form religiöser Autorität, die auf Glaubwürdigkeit, Diplomatie und menschlicher Nähe basiere – und nicht auf politischer Macht.

Libanon: Besuch in einem religiös vielfältigen Land

Im Libanon konzentriert sich das Programm auf Beirut und mehrere kleinere Wallfahrtsorte. Ein stilles Gebet am Hafen von Beirut, dem Ort der verheerenden Explosion im Jahr 2020, soll ein Zeichen der Anteilnahme setzen.

Der Libanon gilt für den Vatikan als Modell dafür, wie ein multireligiöses Zusammenleben funktionieren kann – aber auch als Beispiel für dessen Zerbrechlichkeit. Die politische Aufteilung streng nach Religionsgruppen sowie der Einfluss der Hisbollah bleiben große Herausforderungen.

Ein Papst mit anderem Stil

Experten erwarten, dass Leo XIV. den Kurs seines Vorgängers Franziskus im christlich-islamischen Dialog fortführt, jedoch mit einer eigenen Handschrift. Während Franziskus stark auf persönliche Beziehungen und symbolische Gesten setzte, gilt Leo XIV. als strukturierter und rechtlich orientierter Amtsführer. Von ihm erhofft man sich, dass er dauerhafte institutionelle Grundlagen für die religiöse Zusammenarbeit schafft.

Bedeutung für die Region

Sowohl Türkei als auch Libanon weisen eine lange christliche Tradition auf, auch wenn Christen heute nur noch eine Minderheit der Bevölkerung stellen. Die Reise wird daher als Chance gesehen, die christlichen Gemeinschaften vor Ort zu stärken, die ökumenischen Beziehungen zu vertiefen und den Dialog zwischen Christentum und Islam weiterzuentwickeln.

 

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