Das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic bereitet einen der möglicherweise größten Börsengänge der Geschichte vor. Doch die neuen Geschäftszahlen zeigen, wie teuer der Wettlauf um künstliche Intelligenz geworden ist. Trotz rasant wachsender Umsätze meldete das Unternehmen für das dritte Quartal einen Nettoverlust von rund 23,3 Milliarden US-Dollar.
Nach dem aktualisierten Börsenprospekt stieg der Quartalsumsatz auf knapp 17 Milliarden Dollar. Gegenüber dem Vorquartal entspricht das einem Wachstum von rund 47 Prozent. Allerdings hat sich das Wachstumstempo deutlich verlangsamt. Im zweiten Quartal hatte der Umsatz noch um 144 Prozent zugelegt.
Der ausgewiesene Nettoverlust ist wesentlich durch bilanzielle Bewertungseffekte geprägt. Der operative Verlust lag bei rund 567 Millionen Dollar. Die beiden Zahlen dürfen deshalb nicht mit tatsächlichen Geldabflüssen gleichgesetzt werden.
Besonders auffällig sind die langfristigen finanziellen Verpflichtungen. Anthropic hat Investitions- und Abnahmezusagen für KI-Rechenkapazitäten und Infrastruktur in Höhe von rund 895 Milliarden Dollar offengelegt. Etwa 70 Milliarden Dollar davon werden innerhalb der kommenden zwölf Monate fällig.
Das Unternehmen entwickelt den KI-Assistenten Claude und konkurriert mit OpenAI, Google und weiteren Technologiekonzernen. Der geplante Börsengang soll Anthropic zusätzliches Kapital verschaffen. Die endgültige Bewertung und der Ausgabepreis stehen noch nicht fest.
Für Anleger stellt sich zunehmend die Frage, ob das rasante Umsatzwachstum die enormen Kosten für Rechenzentren, Chips und Energie langfristig rechtfertigen kann.
Auch Europa ist betroffen: Der Ausbau großer KI-Infrastrukturen verstärkt die Debatte über digitale Abhängigkeit, Wettbewerb und den Energiebedarf neuer Technologien.

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