Erstmals eine Frau als Bundespräsidentin? Deutschland steht vor einer historischen Wahl

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Deutschland könnte 2027 erstmals eine Frau an der Staatsspitze haben. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will eine Kandidatin für die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vorschlagen. Doch wer entscheidet eigentlich darüber, wer Bundespräsident wird? Anders als bei einer Bundestagswahl stimmen die Bürgerinnen und Bürger darüber nicht direkt ab.

Frank-Walter Steinmeier muss sein Amt im März 2027 abgeben. Seine zweite fünfjährige Amtszeit endet am 18. März. Nach dem Grundgesetz darf er nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren.

Nun hat Bundeskanzler Friedrich Merz erstmals deutlich gemacht, dass er eine Frau an der Spitze des Staates sehen möchte. Bei einer CDU-Veranstaltung in Berlin kündigte er am Montag an, seiner Partei eine Kandidatin aus der politischen Mitte vorzuschlagen. Einen Namen nannte er noch nicht.

Doch innerhalb der Union, also der beiden Schwesterparteien CDU und CSU, zeichnet sich bereits eine Auseinandersetzung über die Nachfolge ab. Die CSU unterstützt die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Auch aus der SPD und den Grünen gibt es Zustimmung für sie.

In der CDU werden dagegen unter anderem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bundesbildungsministerin Karin Prien, die frühere Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und die hessische CDU-Fraktionsvorsitzende Ines Claus als mögliche Kandidatinnen gehandelt.

Merz möchte, dass die CDU als größere der beiden Unionsparteien bei der Auswahl die entscheidende Rolle spielt.

Wer wählt eigentlich den Bundespräsidenten?

In Deutschland wird der Bundespräsident nicht direkt vom Volk gewählt. Darüber entscheidet eine besondere Versammlung, die sogenannte Bundesversammlung. Sie kommt normalerweise nur alle fünf Jahre zusammen und hat genau eine Aufgabe: das deutsche Staatsoberhaupt zu wählen.

Bei der nächsten Wahl am 30. Januar 2027 werden insgesamt 1.260 Menschen darüber abstimmen.

Die Hälfte, also 630 Mitglieder, sind die Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Die andere Hälfte wird von den Parlamenten der 16 Bundesländer bestimmt.

Das sind häufig Landtagsabgeordnete. Es können aber auch Kommunalpolitiker, Künstler, Sportler oder andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sein.

Wie viele Vertreter ein Bundesland entsenden darf, richtet sich nach seiner Bevölkerungszahl.

Gewählt wird geheim. In den ersten beiden Wahlgängen benötigt eine Kandidatin oder ein Kandidat die absolute Mehrheit der Mitglieder. Bei 1.260 Wahlberechtigten sind das mindestens 631 Stimmen. Sollte niemand diese Mehrheit erreichen, genügt im dritten Wahlgang die höchste Stimmenzahl.

Damit ist klar: Friedrich Merz kann zwar eine Kandidatin vorschlagen, aber nicht selbst bestimmen, wer Bundespräsidentin wird.

Warum müssen sich die Parteien einigen?

Die Parteien versuchen bereits vor der Bundesversammlung, eine gemeinsame Kandidatin zu finden. Denn je mehr politische Lager einen Vorschlag unterstützen, desto größer ist die Zahl der Stimmen, mit denen bei der Wahl gerechnet werden kann.

Nach den derzeitigen Mehrheitsverhältnissen verfügen Union und SPD zusammen über eine Mehrheit in der Bundesversammlung. Dennoch möchte Merz offenbar auch die Grünen in die Gespräche einbeziehen.

Eine erste politische Vorentscheidung könnte bereits am 9. November fallen.

Was macht der Bundespräsident überhaupt?

Der Bundespräsident ist das Staatsoberhaupt Deutschlands. Er vertritt das Land nach außen, empfängt ausländische Staatsgäste, ernennt unter anderem Bundesminister und unterzeichnet Bundesgesetze.

Die tägliche Regierungspolitik bestimmt er jedoch nicht. Dafür sind der Bundeskanzler und die Bundesregierung verantwortlich.

Das Amt hat vor allem eine repräsentative, verfassungsrechtliche und gesellschaftliche Bedeutung. Bundespräsidenten äußern sich häufig zu Demokratie, gesellschaftlichem Zusammenhalt und den Grundwerten des Landes.

Seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 wurde dieses Amt ausschließlich von Männern ausgeübt.

Die Wahl am 30. Januar 2027 könnte deshalb historisch werden: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik könnte eine Frau das höchste Staatsamt übernehmen.

Wer es tatsächlich wird, ist noch völlig offen.

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