Fatma Betül Sayan Kaya soll gemeinsam mit ihrem Ehemann mit Aktiengeschäften rund zwei Milliarden Lira verdient haben. Obwohl das Ehepaar einen Großteil der Gewinne zurückzahlte, liefen die Ermittlungen weiter. Nun ordnete ein Gericht Untersuchungshaft gegen die ehemalige Ministerin an.
Der milliardenschwere Fondsskandal in der Türkei erreicht die Führungsspitze der Regierungspartei AKP. Fatma Betül Sayan Kaya, ehemalige Familienministerin und frühere stellvertretende AKP-Vorsitzende, ist am 5. November in Istanbul in Untersuchungshaft genommen worden. Ihr werden Verstöße gegen das Kapitalmarktgesetz und die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen Aktiengeschäfte mit dem Schiffbauunternehmen Özata Denizcilik. Nach Angaben der Opposition investierten Kaya und ihr Ehemann İlyas Kaya im April 2026 insgesamt rund 163 Millionen Lira in Aktien des Unternehmens. Wenige Monate später sollen sie ihre Anteile für rund 2,17 Milliarden Lira verkauft haben.
Besonders auffällig ist der Zeitpunkt des Verkaufs: Fatma Betül Sayan Kaya veräußerte ihre Aktien am 16. September – einen Tag bevor die Entscheidung zur Abwicklung mehrerer Investmentfonds bekannt wurde. Die Staatsanwaltschaft vermutet deshalb, dass sie bereits vor der öffentlichen Bekanntgabe über nicht veröffentlichte Informationen verfügt haben könnte.
Im Haftantrag werden außerdem Kontakte Kayas zu Führungskräften der Tera-Gruppe angeführt. Der Verkauf sei zudem ungewöhnlich abgewickelt worden: Statt der üblichen zweitägigen Abwicklungsfrist sei der Erlös noch am selben Tag auf ihrem Konto eingegangen. Die Staatsanwaltschaft wertet diese Umstände als Hinweise auf einen möglichen Insiderhandel.
Kaya bestreitet die Vorwürfe. Bei ihrer ersten Vernehmung Anfang Oktober erklärte sie, ihre Anlageentscheidungen seien unabhängig und ohne vertrauliche Informationen zustande gekommen. Auch ihr Ehemann wies die Anschuldigungen zurück.
Bereits am 6. Oktober hatte das Ehepaar rund 1,86 Milliarden Lira an ein von der türkischen Einlagensicherungs- und Abwicklungsbehörde TMSF verwaltetes Konto überwiesen. Dabei handelte es sich nach Angaben der Behörden um die erzielten Gewinne. Das ursprünglich investierte Kapital und die darauf entfallenen Zinsen waren von der Rückzahlung ausgenommen. Die freiwillige Überweisung führte nicht zur Einstellung des Ermittlungsverfahrens.
Kaya hatte bereits Ende September ihre Ämter in der AKP niedergelegt, nachdem die Vorwürfe öffentlich geworden waren. Später verließ sie auch die Regierungspartei.
Auch die politische Aufarbeitung des Skandals sorgte für Kontroversen: Die Opposition forderte einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Die Regierungspartei AKP und ihr Koalitionspartner MHP verhinderten jedoch dessen Einrichtung.
Auch Kayas Ehemann İlyas Kaya und der ehemalige Vorsitzende der türkischen Kapitalmarktaufsicht SPK, İbrahim Ömer Gönül, wurden am 5. November erneut von der Staatsanwaltschaft vernommen. Gegen beide wurden lediglich Auflagen verhängt.
Das Ausmaß der Affäre ist erheblich. Justizminister Akin Gürlek erklärte, dass inzwischen 112 Verdächtige im Zusammenhang mit dem Fondsskandal in Untersuchungshaft sitzen. Die Ermittler hätten ein umfassendes kriminelles Netzwerk aufgedeckt, das bis in die höchsten Ebenen der türkischen Finanzmärkte reiche. Von der Krise könnten die Ersparnisse von fast einer halben Million Anleger betroffen sein.
Hier geht es zu unserem Video zum Thema: Ex-Familienministerin im Fondsskandal verhaftet

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